Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- Palästinafahrt eines Landwirts
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
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— 104 — künstliche Bewässerung, in Verbindung mit einer angemessenen Entwässerung, behoben werden. Viele Kulturen, wenn sie lohnend sein sollen, sind überhaupt ohne künstliche Bewässerung nicht möglich. Ich denke hier z. B. an den Anbau mancher Gemüsepflanzen und vor allem an die Orangenkultur. Bis heute ist die Bewässerung ein noch nicht sehr verbreitetes Hilfsmittel des Ackerbaues in Palästina. Aber die Bedingungen für eine erweiterte Anwendung sind in verschiedenen Landesteilen, um nicht zu sagen im ganzen Lande, vorhanden. Nur ist die Durchführung der Massnahme stellenweise mit nicht unerheblichen Schwierigkeiten und Kosten verknüpft. Ist Palästina zur Sommerzeit auch im ganzen wasserarm, so läuft doch noch viel Wasser, das für die Bodenkultur verwendet werden könnte, ungenutzt ins Meer. Ich weise nur auf den Jordan hin, dem unschwer beträchtliche Wassermengen zu Berieselungszwecken entnommen werden könnten. In vielen Gegenden lässt sich durch Anlage von Brunnen Wasser in befriedigender Menge schaffen, wie es beispielsweise in der Umgegend von Jaffa und Sarona mit so schönem Erfolge geschieht. Das Wasser, das im Winter in grossen Mengen auf den Gebirgen Ephraim und Juda niedergeht, sickert dort zu einem guten Teile in die porösen und vielfach mit natürlichen Leitungen und Höhlen versehenen Felsmassen ein, um oft bis unter die fern gelegenen Ebenen bergab zu fliessen, wo es dann durch Bohrungen an geeigneten Orten ohne allzu grosse Mühe gewonnen werden kann. An manchen Stellen brauchen die Brunnen nur 8—12 m tief gegraben oder gebohrt zu werden. An einzelnen Punkten erreicht man das Wasser noch leichter; vielfach muss man aber auch 15—20 m und noch erheblich tiefer in den Boden gehen. Die Bewässerung ist für viele Gegenden von um so grösserer Wichtigkeit, als auch die einzelnen Jahre nicht gleichmassig mit Regen bedacht werden. So brachte in der erwähnten Periode in Jerusalem das regenreichste Jahr 109 cm, das trockenste Jahr dagegen nicht mehr als 31,8 cm an Niederschlägen. Und diese beiden extremen Jahre lagen nur acht Jahre auseinander. Durch die Schaffung von zweckentsprechend eingerichteten Bewässerungsanlagen am geeigneten Orte werden, da dann die Vorzüge des Bodens und des Klimas so recht zur Geltung kommen können, oft wahre Wunder gewirkt. Es tritt dann zumeist eine erstaunlich üppige Pflanzenentwickelung ein; das Land