Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- Palästinafahrt eines Landwirts
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 101 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2266000-2266027-2266032-2268186--1694-2268207- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 101 — funden, als ich erwartete. Manche Böden zeigen auch einen recht befriedigenden Humusgehalt. Dass einem grossen Teile des palästinischen Bodens eine bedeutende natürliche Fruchtbarkeit innewohnt, geht auch schon aus der Tatsache hervor, dass der Acker in vielen Gegenden unter normalen Verhältnissen, d. h. wenn keinerlei Kalamitäten eintreten, immer noch leidlich gute Ernten hervorbringt, ohne jemals gedüngt zu werden, und trotzdem seine Bearbeitung nur eine äusserst primitive ist. Ich habe in den Ebenen Jesreel, Sebulon, Saron usw. mehrfach einen recht üppigen Getreidestand beobachten können, auf Feldern, die, wie man mir berichtete, wahrscheinlich noch niemals in irgend nennenswertem Masse Dünger bekommen hatten. Und diese Beobachtung frappierte mich so, dass ich beschloss, nach Möglichkeit für sie die Erklärung zu suchen. Diese Erklärung scheint mir in folgenden Momenten gegeben zu sein: 1. Der Gehalt an Kalk, Kali und Phosphorsäure erhält sich durch die leichte Verwitterungsfähigkeit der an diesen Stoffen reichen Mineralbestandteile des Bodens oder seiner Gesteinsunterlage. Es wird dem Boden durch Aufschliessung annähernd immer wieder soviel an mineralischen Pflanzennährstoffen zugeführt, als ihm durch die Ernten entzogen wird. 2. Die Stickstoflabgabe wird ersetzt: a) durch grüne Pflanzen, die namentlich vor der Bestellung zu Sommerfrüchten manche Aecker mehr oder weniger dicht bedecken; sodann durch Stoppel- und Wurzelrückstände. Durch Einverleibung dieser pflanzlichen Massen wird dem Boden selbstredend auch noch etwas an Mineralstoffen zugeführt; b) durch den Anbau stickstoffsammelnder Pflanzen; c) durch die Tätigkeit freier Bodenbakterien. Punkt c scheint mir von besonderer Wichtigkeit zu sein. Es ist wahrscheinlich, dass viele Böden Palästinas, ich denke u. a. an die Ebenen Jesreel und Saron, bei guter, den Witterungsverhältnissen angepasster Bearbeitung zu einer ungewöhnlich reichen Tätigkeit gebracht werden können, und dass sie dann auch zahlreiche stickstoffsammelnde Bakterien beherbergen. Die hier vorausgesetzte Bearbeitung ist auch möglich bei alleiniger Anwendung des an sich unvollkommenen und nicht mehr zeitgemässen arabischen Pfluges, der aber bei geschickter Führung den Boden gut aufzulockern vermag (ohne ihn zu wenden). Ich