Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Die Malaria in Jerusalem
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 81 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 81 — Malariafälle diagnostiziert. Trotz sehr flüchtiger Untersuchung fanden sich 228 Mal Milzvergrößerung, 80 Mal Blutparasiten. Im Oktober fanden sich einmal unter 60 Patienten 30 Malariafälle. Eine Untersuchung von 8 Häusern der jüdischen Dar maskustor-Kolonie ergab: von 15 Kindern (zwischen 3 Monaten und 15 Jahren) hatte — jedes eine ansehnliche Milzvergrößerung, die älteren Leute hatten sämtlich Symptome der chronischen Malaria. In einem Hause, in dem sich zahlreiche iVnopheles aufhielten, hatten Eltern und 5 Kinder sämtlich Milz Vergrößerung und zumeist Blutparasiten. In der jüdischen Kolonie Meoh Scheorim hatten von 33 Kindern (2—14 Jahre) 20 Milzschwellung. In Ohel Mosche wurden die Kinder mehrerer Schulen (3—14 Jahre) untersucht. Obwohl die am Fieber leidenden die Schule zurzeit nicht besuchten, und obwohl gerade diese Kinder aus den gesündesten und luftigsten Vorstädten Jerusalems stammten, hatten von 114 Kindern 36 Milzscliwellung. In jedem Hause (mit einer Ausnahme), in dem sich Anopheles fand, lagen Menschen am Fieber darnieder. Immer wieder zeigte sich im Judenviertel, dass sich Anopheles tagsüber in den kühlsten, dunkelsten und feuchtesten Schlupfwinkeln aufhielt, während er die gut belichteten, weißgetünchten Räume mied (Wohn ungshygiene!!). In den Zisternen aber fand er sich immer, auch bei Tage. Was ist gegenüber dieser Völksplage zu tun? Wäre Bevölkerung und Regierung dazu zu bewegen, zur Beseitigung der Plage einen Finger zu rühren, so wäre die Seuche, die die jüdische Bevölkerung ruiniert, bald radikal beseitigt. Hier sind keine Sümpfe trocken zu legen, keine Pfützen zu bedecken, keine Flußläufe zu korrigieren, überhaupt keine kostspieligen Bodenassanierungs-Arbeiten wie anderswo auszuführen. Hier, wo die Seuche am schlimmsten haust, wäre die radikale, weil kausale Bekämpfung, am billigsten. Masterman hatte 3 Mittel vorgeschlagen: 1. Bedeckung der Brunnen, 2. Verwendung von Pumpen an Stelle der Schöpfeimer und 3. den systematischen Gebrauch von Chinin. Cropper wendet mit Recht ein, daß die Anopheleslarven zu den bestzugedeckten Brunnen Zugang finden. Zur Anschaffung von Pumpen fehlt den Juden das Geld und den Wirten das Interesse. Ueber den prophylaktischen Chiningebrauch gehen bekanntlich die Anschauungen weit auseinander. Es klingt auch nicht sehr ermutigend, wenn