Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Die Malaria in Jerusalem
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 82 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 82 — Cropper berichtet, daß ein Hospital in 10 Monaten 600 Unzen Chinin6) verbraucht hat, ohne eine wesentliche Aufbesserung der Statistik zu erzielen. Auch wollen die kleinen Kinder, wenn sie sich nicht mehr krank fühlen, das Pulver nicht nehmen. Cropper empfiehlt dagegen die Ausschwefelung der Zisternen. Das Mittel ist billig und leicht anzuwenden: man hängt einfach einen Eimer mit glühenden Kohlen und einer Handvoll Schwefel während einer Nacht in die Zisterne, die gut geschlossen wird; das Wasser leidet durch die Prozedur nicht. Das Mittel'hat sich bei Brunnen in Privathäusern gut bewährt. Aus einem Brunnen in der deutschen Kolonie bei Jaffa wurden im letzten Sommer die Mosquitos durch Petrolisierung vollkommen beseitigt. Es sind auch Flugblätter in jüdisch-deutscher und spagniolischer Sprache, die diese Verhältnisse auseinandersetzen, gedrückt worden. Ich halte es für nützlich, diese Einzelheiten aus Croppers Arbeit über die Verbreitung der Seuche unter den Juden Jerusalems dem größeren Publikum zugänglich zu machen. Man spricht viel von praktischer Arbeit in Palästina, von der „sozialen und ökonomischen Hebung des bereits ansässigen jüdischen Elements". Eine der wesentlichsten Maßnahmen — früher und intensiver zu erwägen als die Gründung einer Zementfabrik am Toten Meer — wäre die Ausrottung der Seuche, die die Gesundheit von Tausenden jerusalemischer Juden schon in den frühesten Jahren untergräbt, ohne daß eine force majeure vorläge, der gegenüber wir ohnmächtig wären. In Nordwestafrika müht sich die englische Regierung unter großen Opfern, der Malaria an der Küste Herr zu werden; in Italien schreitet die Regierung zu Gewaltmaßregeln gegenüber den renitenten Grundbesitzern und bewilligt Millionen zu Sanierungszwecken — in Jerusalem aber fehlt es im wesentlichen nur an etwas Wohnungshygiene und an der Anlegung von Pumpen und Röhrenleitungen. Und die Chancen dieser Bemühungen wären wesentlich bessere als die der oben erwähnten kostspieligen Bodenarbeiten. Zudem wären diese Maßnahmen ja keine spezifischen Mittel zur Bekämpfung der Malaria; sie würden zugleich auch der besseren Lebenshaltung der Massen, den allgemein-sanitären Verhältnissen, der größeren Sauberkeit, der Vorbeugung zahlreicher anderer Infektionskrankheiten dienen: gedeihen doch in den Wasserresten der Zisterne neben den Mosquito- 6) — ca. 20 kg, Preis ca. 1000 Mark.