Mannheim
Compact Memory

Altneuland · 1906-03-01 · Heft 3 (März 1906) · p. Seite 80

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 3 (März 1906)
Article
Die Malaria in Jerusalem
Date
1906-03-01
Page
Seite 80 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2266000-2266027-2266031-2268124--1657-2268161
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 80 -— meist von kleinen Limited oompanies gegründet; die 1—2 Stock hohen Häuser sind sämtlich mit Einwohnern überfüllt. Am schlimmsten wütet das Fieber im September, Oktober und November, dann nimmt die Zahl der Erkrankungen ab, erreicht im Februar, März und April ihr Minimum und steigt dann wieder bis zum September an. Von November bis April fällt nämlich in Jerusalem Regen, während die heiße, trockene Jahreszeit von Mai bis Oktober dauert. Es ist das Unglück der Jerusalemer Bevölkerung, daß sie auf das Regenwasser in den Zisternen angewiesen ist, in denen der Anopheles vorzüglich gedeiht, für dessen Larven sonst Jerusalem der tingünstigste Entwicklungsboden wäre. Die einzige Kolonie, in der Cropper im Gegensatz zu den übrigen unter den Kindern nur selten Milzvergrößerung5) fand, hatte kein Zisternenwasser zur Verfügung, sondern ließ das Wasser aus der Umgegend herbeifahren. Die Bauern in den Bergen, die nicht so sehr von der Kultur beleckt sind, daß sie sich schöne Zisternen bauen, sondern die 2—3 Meilen weit ihr Wasser herr beifahren, werden für dieses Kulturmanko durch das fast gänzliche Fehlen der Malaria belohnt. Freilich kommt bei ihnen gegenüber den Stadtbewohnern auch der Umstand in Betracht, daß sie ein gesünderes Leben in der frischen Luft führen, daß sie weniger dicht beieinander wohnen, daß ihre Wohnsitze besser den Luftströmungen ausgesetzt sind, vielleicht auch eine Art von lokaler Immunität: es ist nämlich mehrfach beobachtet worden, daß, trotzdem in den Bergen die Mosquitos ebenso wie am Jordan vorkomman, die im Gebirge von der Krankheit verschonten Bauern beim Besuch des Jordantales an einer besonders schweren Form des Malariafiebers erkranken (das „wakham" der Araber), das zumeist mit dem erwähnten remittierenden Gallenfieber identisch ist. Uebrigens sollen (Wheeler) in den letzten 10 Jahren nur 3 Todesfälle an den perniziösen Attacken der Malaria erfolgt sein. Ueber die Verbreitung der Krankheit unter den jerusalemischen Juden stelle ich ein paar der wahrhaft erschreckenden Ziffern zusammen. In der Poliklinik des L. J. S. Hospital wurden vom 13. Sep^- tember bis Ende 1904 unter 937 Außenpatienten 424 als 5) Dieses Symptom der Malaria, das leicht durch Untersuchung festzustellen ist, dient nach R. Koch zur Bestimmung der Malariafrequenz in einer Gegend, wenn die Zeit zu genaueren Blutuntersuchungen fehlt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.