Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1906)
- Article
- Syrien als Wirtschafts- und Kolonisationsgebiet
- Date
- 1906-02-01
- Page
- Seite 42 (sequence 10)
- Language
- German
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— 42 — vielen anderen Missständen administrativer und rechtlicher Natur, nicht die geringste Anziehungskraft für Leute, die aus Kulturländern stammen. Solange noch Länder wie Nord- und Südamerika, Südafrika und Australien Hunderte von Millionen Menschen aufzunehmen imstande sind, solange werden sich unter den gegebenen Verhältnissen keine Auswandererströme nach Syrien ergiessen, und selbst die osteuropäischen Juden, die aus zionistischer Begeisterung dorthin auswandern, verlassen, soweit sie nicht bemittelt sind oder unterstützt werden, zum überwiegenden Teil alsbald dieses Land, meist mit der Begründung, dass sie es trotz der fürchterlichen Bedrückung in Russland und Rumänien wirtschaftlich doch noch besser gehabt hätten als in Palästina. Eine mohanlmedanische Einwanderung ist aber auch nicht zu erwarten. Die sogenannte Muhadschirbewegung, d. h. die Ansiedlüng der mohammedanischen Auswanderer aus den christianisierten Balkanstaaten in die asiatische Türkei, richtet sich fast ausschliesslich nach Anatolien, das einerseits den Leuten klimatisch besser zusagt, andererseits räumlich näher liegt, ,und endlich auch vom Sultan, der dort ein mohammedanisches Kernland für die Türkei schaffen will, als Einwanderungsland bevorzugt wird'. Aber selbst schon für Anatolien beginnt diese Wanderung nachzulassen, da sich die Mohammedaner in den sich relativ schnell kulturell entwickelnden Balkanstaaten allmählich wohl zu fühlen beginnen, was besonders in den unter österreichischem Schutz stehenden Ländern Bosnien lind Herzegowina, aber auch schon in Rumänien der Fall ist; auch wird ihnen die Uebersiedelung nach Anatolien durch den unmässig und unberechenbar langen Militärdienst (bis zu 15 Jahren), die Steuerschraube und die Beamtenwillkür doch allzusehr verleidet. Eher könnte man an eine Einwanderungsbewegung seitens der türkischen Nachbarländer denken und in der Tat siedeln sich wohl manche der von den Kurden gehetzten Armenier in den syrischen Städten an, wenngleich die türkische Polizei dies mit Gewaltmitteln zu verhindern sucht. Auch die durch Kurden und Beduinen abwechselnd ausgeraubten Bauern Nordmesopotamiens werden sich wohl zum Teil, wie in die mesopatamischen Städte, so auch nach Nordsyrien flüchten, doch ist dieser Zuzug natürlich kein bedeutender. Wie sollte auch Mesopotamien mit seiner schon jetzt so dünnen Bevölkerung von kaum noch 1V2 Millionen Seelein — nur 4 Seelen pro Quadratkilo-