Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1906)
- Article
- Syrien als Wirtschafts- und Kolonisationsgebiet
- Date
- 1906-02-01
- Page
- Seite 41 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Mentioned entities
- Beirut 1× ep/1047833
- Haifa 1× ep/1047930
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— 41 - schon nalb europäischen Städten der Küste, sowie in der unmittelbaren Umgebung der ärztlichen Stationen der Missionen, der Wohlfahrtsinstitute und der europäischen (d. h. jüdischen und deutschen) Ackerbaukolonien steht es etwas besser, namentlich in bezug auf die Behandlung der Augenkrankheiten und der Malaria. Volksseuchen wie die Syphilis, die ja in manchen pontischen Gegenden Kleinasiens die Bevölkerung auf das fürchterlichste dezimieren, scheint es in Syrien nicht in dem Masse zu geben, und auch die Ehescheu aus Furcht vor der Aushebung zum Militärdienst, resp. der damit begründeten Erpressung seitens der lokalen Obrigkeit, die in Anatolien und Armenien vielfach vorkommen soll — schon Moltke spricht in seinen Reisebriefen 1835—39 davon — wird bisher aus Syrien nicht gemeldet. Hingegen ist Syrien viel mehr dem Eindringen von Cholera und Pest ausgesetzt, welche Seuchen in den engen Ortschaften und bei den schlechten Wasserverhältnissen natürlich ganz ausserordentliche Verheerungen anzurichten pflegen. Auch die eben besprochene Auswanderung der christlichen Bevölkerung wirkt der Volksvermehrung entgegen, ein Verlust, der durchaus nicht durch die wenigen neu angesiedelten Tscherkessen, Tataren und Juden ausgeglichen wird, und der von Jahr zu Jahr sich wohl noch vergrössern wird. Wenngleich genaue Ziffern nicht vorliegen, so darf man doch wohl annehmen, dass, wenn man von wenigen Kulturstädten absieht, die, wie Beirut, Haifa und Jaffa, infolge des zunehmenden Geschäftsverkehrs wachsen, oder wie Jerusalem, das als Pilgerstadt und Zentrale von Missionen, vor allem aber als Mittelpunkt der jüdischen Einwanderung eine immer grössere Bedeutung erlangt, eine Volkszunahme aus sich selbst heraus nicht existiert und wohl auch für die nähere Zukunft nicht zu erwarten ist. Was aber eine Einwanderung von aussen betrifft, so ist gleichfalls nicht viel zu erhoffen. Woher sollte sie kommen? Gegen christlich europäische Einwanderung wehrt sich die Türkei, so weit sie kann; auch hat Syrien bei seinen geringen Löhnen, bei dem Mangel jeglichen gesunden Kredites, bei seiner Rechtsunsicherheit, bei den hohen Steuern, die auf der Landbevölkerung lasten, bei den schlechten Verkehrsverhältnissen, bei der Erpressung und Aussaugung seitens! der Lokalbehörden, bei der Schwierigkeit des Landerwerbes und bei den