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Altneuland · 1906-01-01 · Heft 1 (Januar 1906) · p. Seite 31

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Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 1 (Januar 1906)
Article
Das lateinische Patriarchat zu Jerusalem [Nachricht]
Date
1906-01-01
Page
Seite 31 (sequence 3)
Language
German
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— 31 — Türkei ersuchen, oder es dem Vorsteher des einzelnen Instituts überlassen, sich eine. Schutzmacht auszuwählen. Tatsächlich haben auch die Vorstände der Franziskaner und Minoriten in Konstantinopel nach den trüben Erfahrungen mit Frankreich im letzten Frühjahr dem französischen Botschafter Constans in Konstantinopel angezeigt, dass sie künftighin sich als unter italienischem Protektorate stehend betrachten würden. Die unter Nr. 3 genannten Untertanen des Sultans, welche dem christlichen Bekenntnisse angehören, können für den Schütz ihres christlichen Bekenntnisses nicht die Hilfe der dem Christentum entgegenstehenden mohammedanischen Türkei erbitten, sondern es steht ihnen frei, den Schutz irgend einer christlichen Macht anzurufen. Natürlich war es bei dem grossen Einfluss, den Frankreich hat, stets Frankreich, welches um Hilfe angegangen wurde, und bis in die letzte Zeit die einzelnen Religionsgemeinschaften zudem noch finanziell unterstützte. Einen solchen Schutz fanden seit alten Zeiten seitens Frankreichs die Maroniten, deren Patriarch mit einem grossen Gefolge vom Präsidenten Loubet und dem Minister Rouvier in so demonstrativer Weise in Paris empfangen wurde. Der Patriarch, der direkt von Rom kam, und dessen Reise vom Papste gebilligt wurde, wollte sich bei der kirchenfeindlichen Stellung Frankreichs vergewissern, ob der bisher den maronitischen Untertanen des Sultans gewährte Schutz fortdauern und der bisher gewährte Zuschuss von 80 000 Franken weiter bewilligt werde, um sich im Verneinungsfalle an eine andere Macht zu wenden. Es ist ihm als Antwort geworden, dass sich an dem von Frankreich gewährten Schutze ihrer Kirche nichts ändern und der bisher gewährte Zuschuss auf 120000 Franken erhöht werde. Allerdings hat der Patriarch einige kleine Konzessionen an Frankreich machen müssen, welche indessen nur äusserlicher Natur sind. Papst Pius X. hätte dem Patriarchen von der Reise nach Paris abraten können, aber aus seiner Zustimmung geht hervor, dass er fest entschlossen ist, solange ein diplomatischer Verkehr mit der Türkei und dem Heiligen Stuhle nicht besteht, es den Katholiken des Orients wie auch den Vorstehern kirchlicher Institute in freier Wahl zu überlassen, sich unter den Schutz dieses oder jenes Staates zu stellen, wie es seitens einiger Klöster ja auch bereits geschehen ist. Was nun speziell Deutschland und den deutschen Schutz angeht, so hört man in Syrien, namentlich bei den einheimischen Christen, vielfach Einwürfe gegen ein deutsches Schutzrecht, die zweifellos ihren innersten Grund in der Unterstellung haben, Preussen sei ein protestantischer Staat, und das deutsche Kaisertum wie das Deutsche Reich seien protestantisch geartet. Eine solche Ansicht wird vielleicht auch durch die Besetzung von Konsulats- und Beamtenposten im Heiligen Lande gestärkt. Es liegt uns fern, irgend einen Vorwurf gegen unsere ausgezeichneten Konsuln im Heiligen Lande zu erheben; was namentlich ein Generalkonsul Dr. R o s en in Jerusalem, ein Konsul v. Ti Schendorf f, sowie auch der gegenwärtige Konsul Schmid dort für Deutschland gewirkt haben, bleibt unvergessen. Indessen ist es doch sonderbar, dass noch kein deutscher Konsul gerade in Jerusalem Katholik war. Dass es Katholiken gibt, die geeignet und bexähigt für solche auswärtigen Posten sind, hat doch schon Frhr. v. Ketteier in Peking bewiesen. Es lässt sich nicht leugnen, und die Erfahrung zeigt es tagtäglich, dass der Protestantismus die Orientalen, Christen wie Schismatiker, äusserst kalt lässt. Wenn der französische Konsul zu Jerusalem zu den Feierlichkeiten der Lateiner, an denen er regelmässig in der Grabes- oder der Patriarchatkirche teilnimmt, erscheint, empiängt ihn stets ein Priester am Tor,

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