Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1906)
- Article
- Kolonisation und Kolonisationspolitik
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 6)
- Language
- German
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— 25 — meinsame Siedelung" begründen, oder ob ein Volk, ein Staat eine Anzahl seiner Mitglieder mit oder ohne deren Willen designiert zur Bevölkerung einer von ihm veranlassten und mit seiner Hilfe errichteten Siedelung — auch einen prinzipiell bestimmenden Einfluss auf die Charakterisierung der Siedelung ausmachen müsse, während sie doch tatsächlich keinen wesentlichen, sondern nur einen Artunterschied bewirkt. Von einer blossen Ansiedelung unterscheidet sich die Kolonie durch den bewussten und bewusst gepflegten Zusammenhang der Ansiedler untereinander und eine gewisse Exklusivität dieser Gemeinschaft, wie im Bewahren von nationalen Sitten und Anschauungen, so viele Veränderungen, Abschleifungen und" Verbindungen mit anderen Elementen diese nationalen Eigentümlichkeiten auch naturgemäss erleiden mögen. Veränderungen, die direkt notwendig sein können, um die Existenz der Ansiedler unter andersartiger Bevölkerung überhaupt zu ermöglichen. Ergibt sich schon aus der Verschiedenheit der Definitionen der Kolonie bei den einzelnen Theoretikern die Differenz in der Anschauungsweise, so wird bei der Einteilung der Kolonien vollends deutlich werden, aus welchen verschiedenen Gesichtspunkten die anscheinend im Wesen so einheitliche Materie der Kolonisation betrachtet werden kann und — wie wir betonen möchten — betrachtet werden muss. Als Begründer der Kolonisationswissenschaft gelten die beiden englischen Forscher Hermann Merivale, dessen Hauptwerk „Lectures on colonisation and colonies", London 1841 (neue Ausgabe, ebda. 1861), noch in den siebziger Jahren als „das beste und vollständigste Werk" über diese Frage bezeichnet wurde, und Edward Gibbon Wakefield, der neben seinen geistvollen theoretischen Erörterungen („A view of the art of colonisation", London 1849) doch auch viele Irrtümer über unsere Frage verbreitet hat, besonders über die Wirkungen der Auswanderung und Kolonisation auf die Bevölkerungsziffer des Stammlandes, die er durch staatliche Regelung der Emigration glaubte völlig willkürlich beeinflussen zu können. In Deutschland war es zuerst Heeren („Handbuch der Geschichte des europäischen Staatensystems und seiner Kolonien", Göttingen 1822), der, eigentlich Historiker, doch immer mit besonderer Sorgfalt die der Volkswirtschaft naheliegenden Teile der Geschichte behandelte, und der so auch in verschiedenen Werken über das Kolonial - wesen der Phönizier und Karthager, der Griechen und auch der