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Altneuland · 1906-01-01 · Heft 1 (Januar 1906) · p. Seite 22

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Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 1 (Januar 1906)
Article
Kolonisation und Kolonisationspolitik
Date
1906-01-01
Page
Seite 22 (sequence 3)
Language
German
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— 22 — niemals unmittelbar eine Staatsgewalt, sondern stets nur eine private Gesellschaft als Unternehmer stand, welche letztere zumeist— im Gegensatz zu fast aller bisherigen „staatlichen Kolonisation" — rein philanthropische und keinerlei egoistische Zwecke mit der Kolonisation verband. Und dieser Unterschied ist bei weitem nicht nur ein formal-rechtlicher, wenngleich er auch nach dieser Richtung von ungemein tiefgreifenden Folgen begleitet ist, sondern er bedingt bereits vom Anbeginn der kolonisatorischen Unternehmung eine so völlig verschiedene Tätigkeit und Zwecksetzung von Schritt, zu Schritt, daß es fast scheinen könnte, als sei hier überhaupt nur noch eine rein äusserliche Aehnlichkeit vorhanden. Noch komplizierter als bei der bisherigen „jüdischen Kolonisation" lägen diese Verhältnisse bei einer „zionistischen Kolonisation" im Sinne der bisher geltenden Interpretation des Baseler Programms, die sowohl staatsrechtlich als kolonisationsgeschichtlich etwas ganz Neuartiges bedeuten würde, und die wohl auch, um der Schwierigkeit oder vielleicht Unmöglichkeit der Durchsetzung dieses Neuen zu entgehen, sich älterer gewohnter Formen wird bedienen müssen zur Realisierung ihres Inhaltes, wenn dieser nicht unter einem formalen Rigorismus leiden soll. Dieses durchaus nicht bedeutungslosen Unterschiedes also zwischen aller Kolonisation im Sinne der nun folgenden Ausführungen und derjenigen Kolonisation, die Mittel zur Erreichung der Ziele des Zionismus sein soll, wird man stets eingedenk bleiben müssen, um eine klare Scheidung der Begriffe zu erlangen, die allein uns dann zur "richtigen Synthese, d. h. zur Erkenntnis derjenigen Probleme führen kann, die recht eigentlich die unseren sind. * * * Die Geschichte der Kolonisation im weitesten Sinne ist wohl identisch mit der Menschheitsgeschichte überhaupt, denn letztlich sind es immer Kolonisationen gewesen, die dem jeweilig irgendwo erreichten Kulturstande die breitere territoriale Basis schafften, und die jedenfalls meist folgenschwerere Veränderungen mit sich brachten als die Kriege, soweit diese nicht etwa nur der Anstoss oder die Folge kolonialer Ereignisse waren. Mit am Anfange der bekannten kolonisatorischen Bewegungen steht Ja neben derjenigen der Phönizier die von Aegypten ausgehende Kolonisation Palästinas durch die Kinder Israel. Die stammesgeschichtliche und welthistorische Bedeutung dieses Ereignisses, die mehr als dieser

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