Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1906)
- Article
- Kolonisation und Kolonisationspolitik
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 2)
- Language
- German
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— 21 — Kolonien noch ein Faktor sind, der dem Gedankenkreis der europäischen „Bildung" zu wenig Anregungen oder eine ihm einstweilen noch zu unverdauliche Nahrung bietet Wenn man weiss, welches minimale Interesse der Durchschnittsdeutsche an den deutschen Kolonien nimmt, so wird man sich nicht mehr wundern über den Mangel an Kenntnis und Interesse der meisten Juden, und in bezug auf die Kenntnis sogar der Zionisten, über die jüdischen Kolonien wie über die Probleme der Kolonisation überhaupt. Aber unzweifelhaft ist es Pflicht der Zionisten, deren Programm ja in der Hauptsache ein kolonisationspolitisches genannt werden kann, in den eigenen Reihen die Kenntnis dieser Dinge und Probleme zu verbreiten. Denn es ist ein nicht gerade gesunder Zustand, dass in den Spalten unserer zionistischen Zeitungen hie und da bereits mit aller unserem Volke eigenen Leidenschaftlichkeit über sehr schwierige Fragen kolonialer Experimente debattiert wird, während die allermeisten Leser über Kolonisation im allgemeinen noch recht wenig klare Begriffe haben. Der Zweck der folgenden Ausführungen ist daher, über das Wesen und den Begriff der Kolonisation die Klarheit zu geben, die nach dem heutigen Stande der Wissenschaft zu geben möglich ist, über die Theorie der Kolonisation diejenigen Anschauungen darzulegen, die heute als die geltenden bezeichnet werden können, oder die uns den meisten Anspruch auf Geltung zu haben scheinen. Der Spezialfall der jüdisch-zionistischen Kolonisation soll dabei jedoch nur eingangs besonders berücksichtigt werden, in der weiteren Abhandlung nur insoweit, als es sich um die mehr oder weniger ausführliche Darstellung eines für unseren Fall interessanten oder uninteressanten Kapitels handelt: so werden wir der Besiedelungskolonisation einen erheblich breiteren Raum einräumen als der reinen Handels- oder Exploitationskolonisation und die sogenannte „Eroberungskqlonisation" naturgemäss nur flüchtig streifen. Immerhin aber ist die Aufgabe diese: alles das darzulegen, was allmählich in zionistischen Kreisen als „Allgemeinbildung" in Kolonisationsdingen gang und gäbe werden sollte. Die besonderen Beziehungen auszubauen zu unserem Spezialfall, mag dann Berufeneren vorbehalten bleiben. Was vor allem hervorgehoben werden muß, und was ohne eingehendere Erörterung klar sein dürfte, ist der grosse Unterschied, der zwischen der Kolonisation eines noch so kleinen Staatswesens und der „jüdischen Kolonisation" besteht, hinter der