Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1906)
- Article
- Zum neuen Jahr
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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Produktionskosten, die sich (mit Ausnähme der Ernte- und Dreschkosten) auch bei einer guten Ernte nicht erhöhen. Die Erzeugungskosten sind also einerseits bei einer schlechten Ernte relativ höher als bei einer guten. Andererseits macht bei einer schlechten Ernte die Zehntensteuer, die nicht von der Regierung selbst, sondern von Steuerpächtern eingetrieben wird, die möglichst viel aus ihr herauszuschlagen suchen und darin von der lokalen Regierung unterstützt werden, weit mehr als 123/4 o/o des Bruttoertrages aus.*) Die Lokalbehörden suchen in ihrem Streben sich vor der Zentralbehörde auszuzeichnen, den Ertrag der Zehntensteuer immer mehr in die Höhe zu treiben, ohne auf die tatsächlichen Ernteverhältnisse Rücksicht zu nehmen. So erklärt sich die übermässige Belastung der Bauern bei einer schlechten Ernte. Diese Umstände müssten eigentlich den kolonisierenden Faktor veranlassen, gleichzeitig mit einer ausreichenden Ausstattung des Kolonisten mit lebendem und totem Inventar, auch für eine zweckdienliche Unterweisung desselben in rationeller Wirtschaftsweise Sorge zu tragen, die ihn in den Stand setzen würde, bessere Erträge zu erzielen. Eine nach dieser Richtung hin unternommene Aktion wäre ja im ureigensten Interesse des kolonisierenden Faktors. Denn je schneller der Kolonist wirtschaftlich vorankommt, desto sicherer können auch von ihm die grossen auf ihn verwendeten Summen zurückgezahlt werden. Es schien beinahe, dass JCA von dieser Einsicht geleitet wurde, als sie die Musterfarm Sedschera anlegte. Es wird ja jedermann einleuchten, dass die zweckmässigste Unterweisung in dem von uns oben angedeuteten Sinne eben durch den Bestand und die erfolgreiche Entwicklung einer Musterfarm erreicht werden kann, die im Mittelpunkte der Gegend gelegen ist, wie es gerade bei Sedschera der Fall ist. Dass aber JCA nicht auf Grund besserer Einsicht handelte, als sie Sedschera schuf, können wir nunmehr aus dem folgenden sehen. 2. Die Musterfarm. In unserem Neujahrsartikel 1905 konnten wir darauf verweisen, dass Sedschera, das wir von seiner Gründung an kennen und im Herbst 1904 noch einmal gründlich in Augenschein nehmen konnten, sich in richtigen Bahnen bewege. Die Farm *) Vgl. auch in gleicher Nummer die Ausführungen von Said Ruete.