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Altneuland · 1906-01-01 · Heft 1 (Januar 1906) · p. Seite 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 1 (Januar 1906)
Article
Zum neuen Jahr
Date
1906-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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— 8 — Ueber die neuen Kolonien in der Tiberiasgegend kann vorläufig auch noch wenig Erfreuliches gemeldet werden. Hier wurden die Geburtswehen,.von denen die „administrative" Gründung einer jüdischen Kolonie in Palästina begleitet wird, noch nicht verschmerzt. Bis vor kurzem hatten noch in einer der neuen Kolonien einige Kolonisten über Landmangel zu klagen, in zwei anderen Kolonien zeigen die in aller Eile gebauten neuen Häuser Risse. Die Ernten waren bis jetzt bei weitem nicht ausreichend und es ist schon ein bekannter Erfahrungssatz, dass eine neue Ansiedlung sich viel schwerer von den ersten Missernten erholen kann, als ein schon eingelebtes Dorf. Dazu kommt noch, dass die Kolonisten dieser neuen Kolonien ebensowenig wie es die alten tun, daran gehen, neue zweckmässigem Methoden des Landbaues einzuführen. Es muss aber auch hier gleich gesagt werden, dass im Grunde genommen eine solche Verbesserung der Arbeitsmethoden aus sich selbst heraus: von den Kolonisten schwer verlangt werden kann. Der grösste Teil der gegenwärtigen Bauern hatte früher Beschäftigungen, die nichts mit der Landwirtschaft Gemeinsames hatten. Im Lande selbst wird mit der alleinigen Ausnahme der deutschen Ansiedlungen, wo bessere Methoden herrschen, nirgends rationell gewirtschaftet, so dass die Kolonisten nur wenig Gelegenheit haben, Besseres zu lernen. Der „kolonisierende" Faktor, also die JCA, müsste dafür sorgen, dass den Kolonisten Gelegenheit geboten wird, praktisch durchprobte rationelle Wirtschaftsmethoden nachzuahmen. Man kann füglich vom Kolonisten nicht verlangen, dass er sich auf das Experimentieren verlegt, geschweige, dass er nur selten dazu befähigt sein dürfte. Und es sind gerade die zweckmässigeren Anbaumethoden — eine richtige Fruchtfolge, Düngung, überlegte Verwendung von verbesserten Geräten — gepaart mit einer rationellen Viehhaltung, die von der Futterfrage in engster Abhängigkeit ist, die den Erfolg einer landwirtschaftlichen Ansiedlung, besonders unter den speziellen Bedingungen Palästinas, bedingen. Die Last der Zehntensteuer ist nämlich bei schlechten Ernten, die nicht allein auf Rechnung der Witterung oder anderer Unbilden zu schreiben sind, geradezu erdrückend. Dies konnte man an den Zahlen der 1904er Ernte sehen. Die Zehntensteuer, die eigentlich gesetzlich schon etwa i23/i°/o ausmacht, wird vom Bruttoertrage erhoben, also vor Abzug der

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