Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1906)
- Article
- Zum neuen Jahr
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2266000-2266027-2266029-2267971--1528-2267990- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 7 — Die grosse Kolonie Zichron Jacob ist dank den letztjährigen Erwerbungen von Boden auf dem Wege, sich aus ihrer früheren schlechten Lage herauszuarbeiten. Mit der Zeit wird diese Weinkolonie der Vergangenheit par excellence mehr und mehr Getreidekolonie werden, da die Weinberge nicht mehr ausgedehnt werden. Ebenso ist Ekron auf dem Wege, durch Neuerwerbungen dem Landmangel abzuhelfen. Hier sowohl wie in Rosch-Pinah, wo die Kolonisten stark Feldbau treiben, wie beinahe in den sämtlichen ackerbautreibenden Kolonien, lassen leider die landwirtschaftlichen Methoden viel zu wünschen übrig. Der Jude hat _nur wenig das landesübliche Wirtschaftssystem abgeändert. Ein Fruchtwechsel ist noch so gut wie unbekannt. Die besseren europäischen Ackergeräte, die jedem Kolonisten bei der Installation gegeben wurden, bedeuten einen nur bedingungsweisen Fortschritt, wenn nicht gleichzeitig auch Verbesserungen in der Anbaumethode eingeführt werden. Darum übersteigen auch bei den Juden die Erträge der Felder nur wenig diejenigen der Araber. Nach dieser Richtung hin sind Reformen unbedingt erforderlich und eine Einwirkung durch das Beispiel, oder durch Musterbetriebe ist sehr zu wünschen. Auf diese Frage kommen wir noch weiter unten. Sehr schlecht ist die Lage der Kolonien Mischmar-Haj ar den und. Jessod Hamaalah, die alle beide unter schlechten klimatischen Bedingungen, unter Landmangel, unter primitiven Anbauformen und erstere auch infolge allzu sparsamer unrationeller Einrichtung zu leiden haben. Bevor wir die Uebersicht über die Lage der alten Kolonien schliessen, müssen wir noch der H a u r ä n - Angelegenheit Erwähnung tun. In unserem vorjährigen Ueberblick der Lage der Kolonien haben wir auf das planmässige Vorgehen der Administration der JCA hinweisen können, ein Vorgehen, welches diesen über 70 000 Dunam grossen Besitz für uns sicherte und in nicht so ferner Zukunft auch die Möglichkeit seiner Ausnutzung durch Juden wahrscheinlich machte. Leider aber fand, wie es bei der JCA nicht selten der Fall ist, ein Wechsel in der Person des ausführenden Beamten statt, so dass die guten Anfänge des zielbewusst in Angriff genommenen Planes keine weitere Fortsetzung erfahren werden. In dieser Sache ist jetzt eher auf einen Rückgang als auf einen weiteren Fortschritt zu rechnen.