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Altneuland · 1905-11-01 · Heft 11-12 (November 1905) · p. Seite 357

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 11-12 (November 1905)
Article
Die Gartenstadt
Date
1905-11-01
Page
Seite 357 (sequence 9)
Language
German
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— 357 — Der Jude ist ein geselliger Mensch und hat kulturelle Bedürfnisse, die nicht befriedigt werden können, wenn die Kolonien in weit voneinander entfernten Einzelgehöften angelegt sind. Die argentinischen Kolonien wären an diesem Uebelstand gescheitert, wenn nicht zahlreiche andere Gründe ihr Florieren unter den bisherigen Umständen verhindert hätten. Bei der gehöftartigen Kolonisation und einer Bodenzuteilung von vielen Hektar per Familie (in Argentinien bis 150!) ist kein Zusammenleben und keine Sicherheit vorhanden. Liesse man wieder die Wohnungen dorfartig gruppieren, so dass die Leute weite Wege zu ihrem Felde zurückzulegen hätten, so wäre das wieder schlecht. Da aber der Jude — d. h. die grosse Masse der jüdischen Auswanderung — zum Ackerbau auf grossen Flächen überhaupt nicht zu gebrauchen ist, so ist nichts natürlicher, als zur intensiven Bodenkultur auf Basis der Gartenstadt zu greifen, die es jedem ermöglicht, auf eigenem Boden und doch in geschlossener Siedelung zu wohnen. Weiter wäre erreicht, dass schon die erste Gartenstadt cinigermassen in sich wirtschaftlich selbständig wäre, insofern als hier bereits — wie in grösseren, gesunden Gemeinwesen — alle oder doch die meisten Berufe vertreten sein werden. * * * Die „Gartenstadt" wäre also eine halb ländliche, halb städtische Ansiedelung — im Zentrum mehr städtisch, nach der Peripherie oder nach aussen zu mehr landwirtschaftlich — in der jedem Kolonisten industrielle, hausindustrielle, merkantile, landwirtschaftliche und andere Berufe offen stehen. Die „Landgesellschaft'' oder „das Komitee" der Gartenstadt, die natürlich eine autonome Verwaltung haben Avürde, sorgt für sachgemässe Anleitung zum Landbau — event. für Musterwirtschaften usw. —, für genossenschaftliche Einrichtungen zum Verkauf oder zur industriellen Verarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte, für genossenschaftliche Zentralisierung beim Vertrieb der hausindustriellen Erzeugnisse usw.4) 4) Thomas Adams stellt in seiner kleinen Schrift „Garden City in Relation to Agricultiire" (.Die Beziehung der Gartenstadt zur Landwirtschaft) u. a. folgende Forderungen auf: Die LandgeseJlschaft hätte als ihre Aufgaben zu betrachten: moderne Methoden zur Erhöhung der Bodenergiebigkeit anzuwenden, für Wasserleitung, Wege und Strassen zu sorger,

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