Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Article
- Die Gartenstadt
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 358 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 358 - Nichts wäre natürlicher, als dass die verschiedenen „Gartenstädte" eines Landes oder eines Länderkreises sich wieder untereinander verbinden, um ihre Zentralisation und ihre genossenschaftlichen Einrichtungen wirksamer zu gestalten, um gemeinsame Versuche und Arbeiten zu unternehmen, um ihre Erfahrungen auszutauschen und was sonst noch sich aus der Praxis ergeben mag. * * * Abgesehen von den in den letzten Abschnitten kurz skizzierten organisatorischen Massnahmen existieren solche Gartenstädte längst und an vielen Orten in allen möglichen Ländern. Nur sind sie überall das Resultat langer, zögernder Entwickelungen gewesen. Das Organisatorische, das Planmässige fehlte, aber wir sind gezwungen es auf diesem Wege zu machen, und wenn auch — besonders in den ersten Stadien — mancherlei Missgriffe vorkommen mögen, so können wir ruhig sagen, dass die im Laufe langer Zeiten zu Gartenstädten gewordenen Ansiedelungen, eben wegen der mangelnden Planmässigkeit viel mehr Rückschläge durchgemacht haben müssen, als es bei unseren Neu-Gründungen der Fall sein dürfte. Wir müssen in dem Bewusstsein, dass Fehler nicht zu vermeiden sein werden, doch alles tun, um sie nach Möglichkeit zu vermeiden, und dürfen uns keinesfalls von dem relativen Misserfolg der bisherigen jüdischen Kolonisation zurückhalten lassen, eine Idee auszuführen, die zum mindesten besser für unsere Auswanderer geeignet ist, als alle bisherige jüdische Kolonisation. Die „Gartenstadt" wird die Einseitigkeit des bisherigen Vorgehens durch eine gesunde Vielartigkeit ersetzen, der viel weniger ernste Rückschläge drohen als dem bisherigen System. Sie wird die kulturelle Sphäre, den frischen Geist in unsere Kolonisation bringen, dessen Fehlen vielfach schwerer genossenschaftHche Organisation der Einwohner anzuregen und zu fördern, um ihnen Beschallung von Geräten, Dünger etc. zu den hilligsten Preisen zu sichern und beim Verkauf der Produkte hohe Preise zu erzielen, für sachverständigen Rat bezüglich Obstkultur, Milchwirtschaft etc. zu sorgen und geeignete Sorten junger Bäume zum Verkauf an die Bewohner bereit zu halten, die landwirtschaftlichen und sonstigen Arbeiter zur Erwerbung eigener, kleiner Landstücke anzuhalten und zu ermutigen und. für solche Landstücke in unmittelbarster Nähe der Wohnungen der "Arbeiter zu sorgen, Kredit-Institute zu errichten, um den kleinen Eigentümern eine finanzielle, geschäftsmässige Unterstützung zu gewähren.