Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Article
- Jugendpflege
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 348 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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— 348 — noch immer Gegengründungen der Chachamim zur Seite. Als Rivale des deutschjüdischen Waisenhauses (mit 33 Zöglingen, die Mittel für die 17, deren Plätze leer sind, sollte tatkräftige Unterstützung flüssig machen) erstand mit 200 Zöglingen das Waisenhaus des Brisker Raw, der auch eine grosse Jeschiba in Jerusalem unterhält; ein für noch grössere Verhältnisse berechneter Anstaltsbau steht unmittelbar bevor.17) Und „vor drei Jahren eröffneten auch einige sephardische Chachamim ein Waisenhaus mit 20 Kindern, mit dem es auch allmählich vorwärts geht" (Grünhut a. a. O.). Diese kurzen aber vielsagenden Angaben behüten vor einer Ueberschätzung des Kulturfaktors nach seiner Breite und Tiefe. Talmud-Thora- Schulen mit ihrem in Formalismus erstarrten Religionsbetrieb, und moderne Bildungsschulen mit ihrem frischen, den ganzen Menschen erfassenden Bildungsdrang stehen sich dank der Enge der Chachamim noch heute gegenüber. Einen Ausgleich zwischen ihnen gibt es nicht, der Konflikt, den dieser zwiespältige Dualismus von progressistischem und obstruktionistischem Wesen in die einzelnen Familien hineinwirft, muss von den einzelnen im Innern durchgekämpft werden. Und es ist ein harter Kampf! Nur insofern möchte man den- Kämpfern in diesem Geisteskampf eine Erleichterung wünschen, als die Waffen auf beiden Seiten gut und gleich sein sollten, geistiger Art. Das hat freilich zur Voraussetzung, dass die Chalukah den Protestrabbinern durch die europäischen Gesellschaften aus den Händen genommen und in unbefangenere Hände gelegt würde Lieber möchte man freilich noch, wenn es zum Schluss gestattet ist, einige Wunschgedanken zu äussern, statt eines neuen Modus der Verteilung eine ganz neue Organisation der Unterstützungsgelder wünschen, die dem Wohltätigkeitsdrang der ausserpalästinischen Juden keine Schranke setzt und doch die Gaben für die Empfänger des demoralisierenden Almosencharakters entkleidet. Die Spenden könnten etwa durch Kapitalisierung in Grundstücken und Betrieben die Basis zur wirtschaftlichen Hebung und sozialen Regenerierung der. jüdischen Bevölkerung in Palästina hergeben, und an dieser Hebung und Regenerierung seines Volkstums und Familienlebens nähme ein jeder kraft seines Existenztriebes durch selbsttätigen Erwerb und eifrige Arbeiv teil. Das wäre eine „chalüka", ein V) Grünhut a. a. S. S. 138.