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Altneuland · 1905-11-01 · Heft 11-12 (November 1905) · p. Seite 347

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 11-12 (November 1905)
Article
Jugendpflege
Date
1905-11-01
Page
Seite 347 (sequence 27)
Language
German
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- 347 — erwacht und werden durch keinerlei Mittel wieder eingeschläfert werden können. Eher könnte es dahin kommen, dass die Eiferer ihre Obstruktion gegen alles, was Fortschritt heisst, aufgäben und sich wenigstens mit einem gewissen Kultureinschlag im Leben ihres Volkes abfänden. Aber auch diese Eventualität muss dem als hinfällig erscheinen, der die bis ins Lächerliche verzerrten Einzelzüge ihres Fanatismus an Ort und Stelle kennen gelernt hat. Von ihnen kann hier nicht die Rede sein. Nur einige Tatsachen mögen die grundsätzliche Stellung dieser Protestelemente kennzeichnen. Die Talmud-Thora-Schule der ungarischen Gemeinde dachte vor gut 20 Jahren auf Anregung des edlen Sir Moses Montefiore daran, mittels einer von ihm gestifteten Spende die Schüler durch einen gottesfürchtigen jüdischen Lehrer in täglich einer Unterrichtsstunde in die Sprache ihres Landes, das Arabische, einführen zu lassen. Aber die Aufregung über die geplante Neuerung Hess es nicht zur Ausführung kommen. Trotzdem glaubten die Vorsteher der Gemeinde, aschkenasische Eiferer, dass es für alle Fälle geraten sei, sich von dieser Peruschim-Gemeinde zu trennen, und so haben sie seitdem ihre eigene Schule. Auf Betreiben solcher Zeloten erliess in derselben Zeit eine jüdische Versammlung ein Dekret, in dem aller Unterricht in fremden Sprachen und nichtjüdischen Gegenständen überhaupt streng verboten wurde. Das Schriftstück wurde von Haus zu Haus für die Frauen auch im Jargon verlesen. Dazu wurde nachts der Schofer geblasen und jeder in die Acht erklärt, der seine Söhne in die damals geplante Schule der Londoner Juden oder seine Töchter in die Evelina von Rothschild-Schule schicken würde. Selbst die Eltern, deren Kinder in einer Privatschule nur eine Stunde täglich deutsch lernten, wurden nicht nur mit geistlichen Strafen, sondern mit Entziehung der Chalukah bedroht.15) Und dieser finstere Geist geht noch heute wie vor 20 Jahren in Jerusalem um. Die 1868 gegründete Blumenthalsche Schule unterscheidet sich in nichts von einem Cheder, ausser, dass sie dem Arabischen Eingang gewährt hat. Grund genug, dieses Cheder unter den Cherem zu stellen!16) Ja, er zeigt sich auch heute noch lebenskräftig, was man nur gar zu leicht über dem Kulturwehen übersieht. Der Gründung von Bildungsstätten gehen 15) S. Luncz S. 114 f., 193 f. 16) Griinhut a. a. O. S. 139. 4*

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