Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Article
- Jugendpflege
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 346 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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— 346 —. die Pflege dieses Gebietes weiblicher Handfertigkeit einem Bedürfnis entgegenkommt und einen Erwerbszweig für die Zukunft bedeutet. Ferner empfangen die Mädchen hier Anleitung im Kochen, Waschen, Zuschneiden, in der Krankenpflege und Gärtnerei. Dadurch wird wieder eine weitreichende Rückwirkung auf das Elternhaus ausgeübt, wie denn überhaupt die Brücke von der Schule zum Hause, deren Bedürfnis für einen vollen Erfolg der Schulerziehung nach den Erfahrungen der neueren Pädagogik ausser Frage steht, um so fester und zielbewusster geschlagen werden muss, je verwahrloster die häuslichen Verhältnisse, je erziehungsbedürftiger die Väter und Mütter selbst sind. Das gilt vom Kindergarten an aufwärts, und nicht zuletzt von ihm. Den Mädchen aber wird auf diesem Wege ein höheres Lebensziel und eine Berufsaufgabe gestellt, die wohl geeignet sind, sie von der Inhaltslosigkeit ihres Lebens, auch von dem frühzeitigen Heiraten mit dem oft folgenden Elend abzulenken. Die Anstalt liefert mit diesen technischen Kursen eirien dankenswerten Beitrag zur Lösung der „Frauenfrage im Orient". 5- Ein verheissung;svolles Symptom für die Zukunft ist der grosse Andrang der Bevölkerung zu den Aufnahmeterminen, der trotz des geforderten Schulgeldes diese Tage mit ihrer Sichtung unter den Aufnahmebegehrenden und ihrer verwickelten Feststellung der Personalien zu einer hochgradigen Anspannung für die Vorsteherin und ihre Sekretärin macht.14) Freilich ist das Schulgeld nur gering, und gefeilscht wird nach Noten, aber schliesslich wird es doch gezahlt als ein Opfer, das die Eltern dem Streben nach Erziehung und Bildung bringen. Grösser freilich ist das Opfer auf Verzicht der Chalukah, welches die Rabbinen fordern, die Eltern freilich oft genug nicht auf dem würdigsten Wege zu umgehen suchen. Aber das Verlangen nach einer modernen Schulbildung, nach dem Zusammenhang mit der Kultur der zivilisierten Welt, und als Folgeerscheinung davon der Mut und die Bereitschaft zur Selbsthilfe sind in wreiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung 14) Eine der Lehrerinnen hat in der Belletrist. Beilage der Zeitung „Der Israelit" (1904 No. 21) „Den Aufnalimetag, Skizze aus der ,Evelina de Rothschild School' in Jerusalem" anziehend und mit photographischer Treue "beschrieben.