Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Article
- Jugendpflege
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 341 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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— 341 — Knaben und 52 Mädchen in dem zweiten Kindergarten untergebracht. Dort waren etwa 40 0/0 Aschkenazim, hier 65 %. Dem hebräischen Kindergarten eignet um deswillen noch eine besondere Bedeutung, weil er die hebräische Sprache als Schul- und Umgangssprache pflegt. Dazu veranlassen Erwägungen praktischer und idealer Art. Die Sprachverwirrung des Morgenlandes erscheint gerade in der jüdischen Bevölkerung auf die Spitze getrieben, in den Familien geht neben dem deutschen und spanischen Jargon das Russische, Ungarische, Arabische, Persische, Bucharische, Georgische, Kurdische usw. einher. Durch die Erhebung des Hebräischen zur Muttersprache wird einerseits dem Sprachgewirre gesteuert und andererseits doch den Kindern ein praktischer wie idealer Gewinn geboten, da diese Sprache nachher im Schulunterrichte wiederkehrt und bereits anfängt, sich auch im. öffentlichen Leben als ein Binde- oder wenigstens Verständigungsmittel zwischen den verschiedenen Kolelim geltend zu machen. Kein Zweifel, das Hebräische wird in der Zukunft immer mehr die Verständigungs-, vielleicht auch, wenn es gelingt, den jüdischen Volksgeist und das Nationalgefühl wachzurufen, die Einheitssprache werden, dahin drängen Momente der verschiedensten Art. So ist der Kindergarten auch in dieser Beziehung gut modern. Die erziehliche Rückwirkung, die durch die Kinder von ihm auf die Eltern ausgehen kann, soll hier nur angedeutet werden; auch der Fall, dass die Kinder die Sprachlehrer ihrer Eltern werden und den Jargon aus der Familie verdrängen helfen, wird nicht zu den Ausnahmen gehören. Für den dritten Jahrgang des Kindergartens kommen zu der hebräischen Konversation leichte Sprachübungen in der deutschen Sprache. Und die Gewöhnung an eine lautreine Aussprache eines sprachreinen Deutsch will keineswegs so aussichtslos erscheinen, wenn bereits auf dieser hervorragend rezeptiven Stufe mit folgerichtigem Eifer gegen die jüdischdeutsche Mundart gekämpft wird. Hier mag die Frage am Platze sein, welche der europäischen Sprachen in den jüdischen Schulen dem hebräischen Unterricht zweckmässig zur Seite geht. Tatsächlich ist ja die Frage dahin entschieden, dass in der deutschen Lämelschule deutsch, in der französischen Alliance-Schule französisch und in der englischen Evelina von Rothschild-Schule englisch gesprochen wird, diese Regelung ist das ganz natürliche Ergeb-