Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Article
- Jugendpflege
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 331 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 331 — ziehlichen und idealen Gründen. Beides muss man mit Freuden begrüssen. Die Schulung von Hand und Auge und die Bildung des ästhetischen Urteils bedeuten in der Zukunft Jerusalems ein Kapital; zweckmässig wendet sich dieser Unterricht allmählich dem gewerblichen und künstlerischen Zeichnen zu, um bereits in der Schule den Grund zu der verheissungsvollen Pflege des Kunsthandwerks zu legen. Bisher bietet meines Wissens die Kunst- und Zeichenabteilung der Alliance- Schule die einzigen Ansätze dieser Art. — Der Handfertigkeitsunterricht mit seiner werktätigen Uebung von Hand und Auge harrt als entsprechendes Gegengewicht zu der geistigen Lernarbeit noch der Pflege; sie sollte aber um so mehr erstrebt werden, als das Ziel der jüdischen Schule in Palästina sein muss, Existenzen zu gründen und zu rechtschaffener, nutzbringender Arbeit Geist und Körper zu befähigen. Gestaltung des Unterrichts und Auswahl des Stoffes nach praktischen Gesichtspunkten; lebensvoller Unterricht; Schulung auch der formalen Bildung an lebensvollen, nicht toten Stoffen und in praktischer Richtung — das muss die Grundforderung für die palästinische Schule sein, wobei freilich nicht vergessen sein will, dass aller wahre Unterricht erziehlich wirkt und Personbildung und Charakterstärke zum Ziel hat. Die Schule würde sonst zu einer Züchtungsanstalt für utilitaristisch-mammonistische Gesinnung herabsinken. Der Erfolg aller Schularbeit ist mit durch die Einheitlichkeit des Unterrichtsbetriebes bedingt, sie darf weder in bezug auf das Schülermaterial noch auch in bezug auf die Stoffdarbietung fehlen. In jener Beziehung herrscht in den meisten Jerusalemer Tagschulen ein störendes Tohu wabohu, da bei der unbeschränkten Zugvögelfreiheit Zöglinge zu allen Zeiten und in allen Alterslagen aufgenommen werden; in dieser stellt die jüdische Schule durch ihre Sprachschwierigkeiten und den doppelten Unterrichtsgang für die hebräischen und die andern Disziplinen eine besondere Aufgabe. In beider Hinsicht ist in der deutschjüdischen Schule ein Fortschritt zu verzeichnen. Knaben in vorgeschrittenem Alter bleiben von der Aufnahme ausgeschlossen, wenn sie nicht bereits die Reife für eine höhere Klasse mitbringen — die 6. Klasse setzt sich jetzt ausschliesslich aus Knaben im Alter von 6—y Jahren zusammen. Im Zusammenhang damit hat sich die Klasseneinteilung vereinfacht, indem die Schüler nunmehr für sämtliche 2*