Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Article
- Jugendpflege
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 330 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2266000-2266015-2266026-2267835--1417-2267894- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 330 — anstrebt.8) Die Schule passt sich also nur den gegebenen Verhältnissen an, wenn sie über der Handel- und gewerbetreibenden Bevölkerung der Stadt den landwirtschafttreibenden Faktor nicht übersieht. Die Anfänge eines Schulgartens liegen in enger Fühlung mit diesen Plänen wie mit unsern moderner; grossstädtischen Volksschulverhältnissen bereits in der Gartenanlage vor, welche sich zwischen der Anstaltsfront und der Grenzmauer ausbreitet und dem Kinde als Anschauungsmaterial ersten Ranges die heimische Flora vorführt; die Anlegung eines Obst- und Gemüsegartens steht noch aus. Der Turnplatz hinter der Anstalt mit den üblichen Geräten, Reck, Barren, Klettergerüst usw. beweist, dass auch der körperlichen Ausbildung Aufmerksamkeit zugewandt wird. Der Turnlehrer, ein früherer Lämelschüler aus Jerusalem, ist durch seine Ausbildung auf dem jüdischen Lehrerseminar zu Hannover zur Erteilung eines methodischen Turnunterrichtes befähigt, der den Leib wirklich bildet und mit der Herrschaft über ihn die Sicherheit im Auftreten verleiht. Der Unterricht ist für sämtliche Klassen obligatorisch und fasst je zwei in Marsch-, Frei-, Gerätübungen und Turnspielen zusammen. Die Leibespflege liegt in Jerusalems Schulen noch sehr im argen. Ihre Einfügung in den Lehrplan ist für die jüdische Bevölkerung, welche die Körperpflege nicht ungestraft Jahrhundertelang vernachlässigt hat, von besonderer Bedeutung, die physische Regeneration, zu der auch dieser gutmoderne Schritt beitragen wird, kann sich natürlich erst in der Zukunft ausweisen. Die Schulausflüge nach 'Ain Fara, Bittir, Nabulus (Samaritaner), Sebastije verbinden mit dem festlich-fröhlichen Charakter erziehliche Bedeutung, indem sie den Gesichtskreis erweitern, Verstand und Willen befruchten, die Urteilskraft stärken, vor allem aber den Kindern, die sonst schwerlich aus dem Umkreis ihrer Heimat herauskommen, die eindrucksvollste und grossartigste Anschauung zum biblischen und geographischen Unterricht bieten. — Von den übrigen technischen Fächern werden das Zeichnen und Singen mit steigender Aufmerksamkeit gepflegt, jenes aus praktischen, dieses aus er- 8) Für d;is mit der Lämelschule verbundene deutschjüdische Waisenhaus wurde von ■einem Freunde der Anstalten, dem jüngst verstorbenen W. Bambus, aus ähnlichen praktischen Erwägungen heraus die Einrichtung einer Teppichweberei erstrebt. Damit wäre ein neuer Erwerbszweig für das Land geschaffen und einer Reihe von Zöglingen zur Ausbildung in dieser Industrie Gelegenheit gegeben. Vergl. die Neuinangriffnahme dieses Planes durch „Bezalel" Altneuland 1905, I S. 14.