Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Article
- Jugendpflege
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 329 (sequence 9)
- Language
- German
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— 329 — nung sein, aber unverkennbar ist das Bestreben, die Schüler für die mannigfachen Zweige des dortigen realen Lebens, Landwirtschaft und Technik, Handel und Gewerbe, tüchtig vorzubilden. Und in dieser Richtung muss sich in der Tat jedes Fortbildungsschulstreben, sei es für ländliche, sei es für städtische Verhältnisse, bewegen.7) Dass solche Gedanken der Schulleitung nicht fernliegen, bestätigt noch der jüngste Schulbericht vom 25. Juli 1905 an den Vorstand des „Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina", der in dieser Richtung neue Fortschritte bezw. Fortschrittspläne ankündigt. Der naturwissenschaftliche Unterricht hat durch den zu Ostern, d. J. an das Seminar entsandten Oberlehrer eine Vertiefung empfangen; den von einem russischjüdischen Arzt am Seminar gehaltenen Vorträgen über Hygiene wohnten die Schüler der Oberklasse bei; mit dem geplanten landwirtschaftlichen Unterricht für die Oberstufe wird bald begonnen werden können. In bezug auf das letztere Projekt könnte freilich die Frage aufgeworfen werden, ob die Landwirtschaftskunde überhaupt in den Lehrplan einer städtischen Schule gehört. Man wird die Frage im vorliegenden Falle unter Berücksichtigung der eigenartigen Verhältnisse des Landes mit Ja beantworten müssen. Ein Teil der in den Bildungsschulen vorgebildeten Zöglinge wird bei der gegenwärtigen Bedürfnislosigkeit, die auch in den grösseren Städten herrscht, darauf angewiesen sein, sich eine achtbare Existenz in den ländlichen Verhältnissen zu suchen, wenn man nicht auf seine fernere Wirksamkeit als Kulturträger für Palästina ganz verzichten will. Hebt doch der Direktor noch in dem eben angezogenen Bericht hervor, dass die aus der Schule hervorgegangenen Lehrer, Aerzte, Chemiker, Kaufleute, Bank- und Kanzleibeamte „zum grössten Teil im Ausland in Stellung sind*', um im Zusammenhang damit den Dr. Salvendi sehen Kolonisationsplan zu entwickeln, der die allmähliche Errichtung einer selbständigen Kolonie mit Wein- und Gartenbau in der Nähe Jerusalems <) Von Interesse ist die Frage, ob die Lämelschule seitens der Regierung als „höhere8 Schule gewerlet wird. Wiewohl der Lehrplan und ein Vergleich mit anderen .höheren* Schulen dafür spricht, fehlt doch das eigentliche Charakteristikum, der Unterricht im Türkischen,, ohne den die Regierung die Genehmigung für eine gehobene Schule nicht erteilt. Der Unterricht wäre insofern von Nutzen, als die Beamtenstellen in der Türkei unter dieser Voraussetzung auch den Juden offen stehen.