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Altneuland · 1905-11-01 · Heft 11-12 (November 1905) · p. Seite 324

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 11-12 (November 1905)
Article
Jugendpflege
Date
1905-11-01
Page
Seite 324 (sequence 4)
Language
German
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— 324 — zu erstreben, die der Geschichte und der Zahl der Juden in Palästina entspricht. Daneben geht die Entwicklung der Schulen einher. Die Lämelschule fristete Jahrzehntelang ein kümmerliches Dasein und verdankte ihren Fortbestand lediglich dem Wohlwollen der österreichischen Regierung und der Unterstützung der Wiener Kultgemeinde. Eine breitere Wirkungsfläche entfaltete sie eigentlich erst, als sie 1887 durch die Vereinigung mit dem deutschjüdischen Waisenhause des Prof. Graetz (jetzt Dir.. D. Grünhut) in die Verwaltung des Frankfurter „Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina44 und unter den Schutz der deutschen Regierung kam. Die Schule ist heute eine österreichisch-deutsche; das Budget ist in den letzten Jahren derartig gewachsen, dass die Lämelstiftung nur etwa noch 1/5 desselben deckt. Freilich schreibt Dr, Neumann2) schon 1877 : „Diese Schule hat während ihres zwanzigjährigen Bestandesl sehr gute Früchte getragen. Viele in dieser Anstalt erzogenen Waisen und armen Kinder leben jetzt in ihren verschiedenen Berufen als Jünglinge und Männer, die eine achtbare Stellung in der Gemeinde einnehmen.4' Aber es war doch ein mühseliges Kämpfen und ungradliniges Fortschreiten, ja die Schule scheint unter dem Druck der Verhältnisse zeitweilig in der Gefahr gestanden zu haben, zu einem Cheder herabzusinken. Wenigstens berichtet Lun.cz in seinem Jahrbuch „Jerusalem"3} von der Schule nicht nur als einer sephardischen, in deren Lehrplan an die Stelle der deutschen die arabische Sprache getreten sei, sondern er kritisiert vor allem den Wegfall des. Elementarunterrichts und fordert Rückkehr zu den alten Erziehungsgrundlagen, zumal notorisch die früher in der Schule erzogenen JCinder wirklich zur Gründung guter Lebensstellungen befähigt worden seien. Nach dieser schwankenden Entwicklung hat dann eine Reorganisation stattgefunden, die unter der Fürsorge des deutschen Konsulats und dem Schwinden des jüdischen Misstrauens gegen den vermeintlich zu modernen Unterrichtsbetrieb die heutigen erfreulichen Resultate gezeitigt hat. Was die Lämelschule heute ist, begann sie also vor nun bald zwanzig Jahren zu werden. Aber welch ein Aufschwung 2) Dr. B. Neumann, ehem. Chefarzt des Krankenhauses Mayer Rothschild, Diaheilige Stadt und deren Bewohner etc. Hamburg 1877. S. 398. 3) Wien 1882, Georg Brög.

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