Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Article
- Jugendpflege
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 322 (sequence 2)
- Language
- German
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— 322 — imstande, zur materiellen Sicherstellung ihres Familienlebens ihrer zu entraten, als willens, zur Hebung ihrer Kinder auf eine nützliche Schulbildung derselben zu verzichten — o, es ist ein Zustand, eine Zwangslage, der man nicht ohne innere Anteilnahme zuzuschauen vermag. Wieviel leichter ist es in Jerusalem dem eingeborenen orientalischen Christen oder dem Mohammedaner gemacht, sein Bildungsstreben zu befriedigen. Da kann das neu erwachte Geistesleben von dem Punkte seines Erwachens bis zu dem seiner Befriedigung — soweit es eben zur Zeit die palästinischen Veranstaltungen für Jugendbildung und Volkserziehung zulassen — geradlinig fortschreiten und darf sich dabei noch der massgebendsten Unterstützung, der der Kirche oder der Regierung, erfreuen. Hier dringt man nur durch Kampf und opfervolle Entsagung zu dem Ziele einer gehobenen Lebensauffassung und menschenwürdigeren Lebenshaltung, und das ärgste Hindernis ist aufgerichtet im eigenen Lager: die, die Führer sein wollen und sollten, ver¬ Stocken sich gegen die Erkenntnis, welche in Palästinas Bevölkerung Allgemeingut zu werden beginnt, dass Wissen Macht (und Wissen auf religiöser Grundlage eine Segensmacht) ist! Das ist ein dunkler Schatten auf dem lichten Bilde, welches uns das Erwachen des Geistesfrühlings und das Sprossen der Segenssaat im heiligen Lande zeigt. Denn es steht keineswegs so, wie^ man aus der feindseligen Haltung der Rabbinen gegen die Bildungsschulen schliessen möchte, dass das religiöse und nationale Element in denselben ausgeschaltet würde. Zur Widerlegung bedarf es nur eines Hinweises auf Lehrplan und Unterrichtssprache der Lämelschule, oder eines Blicks in die „regulations" der Evelina von Rothschild-Schule, deren erste lautet: „The school shall be conducted as a Jewish school. Instruction will include Hebrew, the Bible, the duties of religion and general subjects." i. Neben den beiden genannten Schulen kommt als drittes Jugendbildungszentrum im jüdischen Jerusalem die A11 i a n c e- Schule in Betracht. Die älteste dieser Anstalten ist die Lämelschule. Sie bedeutet zugleich den ersten kühnen Versuch, abendländische Kultur in die religiöse Abgeschlossenheit der jüdisch-palästinischen Welt zu tragen. Von Frau Elise