Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1905)
- Article
- Explorierung und Verwertung von Ländereien ; Meliorations- und Kolonisations-Gesellschaften
- Date
- 1905-10-01
- Page
- Seite 303 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2266000-2266015-2266025-2267747--1355-2267800- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 303 — Entweder ist die natürliche Beschaffenheit des Landbesitzes unmittelbar zu einer Verwertung durch Viehzucht geeignet, oder die beabsichtigte Bodenkultur muss erst durch Urbarmachung und Bodenmelioration vorbereitet werden. Die Urbarmachung ist je nach der Beschaffenheit und wilden Vegetation des Landes mehr oder minder kostspielig, aber sie erfordert nur eine einmalige Ausgabe und lohnt sich gerade auf schwierig zu klärendem, fruchtbarem Urwaldboden mit am besten. Demgegenüber ist die Bodenmelioration eine häufig langwierige und nur unter bestimmlen Verhältnissen lohnende Arbeit. Ihr Zweck ist, in rationeller Weise vorhandenes, zum erstenmal oder seit längerer Zeit kultiviertes Land soweit als möglich ertragreicher zu machen. Obwohl man theoretisch durch Bearbeitung und Düngung jeden, nicht direkt giftigen Boden fruchtbar machen könnte, so gibt es doch im einzelnen Falle relativ enge Grenzen, ausserhalb welcher eine Melioration sich nicht mehr bezahlt macht. Weife Flächen ehemaligen tropischen Urwaldlandes oder fruchtbaren Alluviums bedürfen zwar niemals einer künstlichen Verbesserung, abgesehen von Zufuhr des nötigen Düngers, aber ungleich ausgedehnter ist das Areal der mehr oder weniger meliorationsbedürftigen Kulturländereien. Die Bodenmelioration gehört nicht unmittelbar zur Tätigkeit der Konzessionsgesellschaften, sondern nur insoweit, als sie für deren erste Kulturunternehmungen erforderlich ist. Vielmehr bildet die Verbesserung geringen Kulturbodens einen gesonderten Geschäftszweig, welcher unter Umständen vorzügliche finanzielle Ergebnisse zeitigen kann. Technisch besteht die Verbesserung eines Bodens in Irrigation und Drainage, in tiefer gründlicher Bearbeitung, besonders reichlicher Düngung, entsprechender Zufuhr fehlender Pflanzennährstoffe, Entfernung vegetationsschädlicher Substanzen (z. B. von Kochsalz oder Natronsalzen durch Auswaschen) und gleichmässiger Bebauung mit Nutzpflanzen. Selten sind übrigens ausnehmend hohe Gewinne von Meliorationsgesellschaften ausschliesslich durch eine technisch hervorragende Verbesserung der eigenen Ländereien und damit verknüpfter Kultivierung oder Verpachtung und Verkauf derselben erreicht worden; meist steht in engem Zusammenhang damit eine mehr o'der weniger gemässigte Bodenspekulation, d. i. eine geschickte Benutzung einer aufsteigenden Konjunktur in den Bodenpreisen der betreffenden Gegend. Es ist hierbei mit