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Altneuland · 1905-10-01 · Heft 10 (Oktober 1905) · p. Seite 304

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 10 (Oktober 1905)
Article
Explorierung und Verwertung von Ländereien ; Meliorations- und Kolonisations-Gesellschaften
Date
1905-10-01
Page
Seite 304 (sequence 7)
Language
German
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— 30+ — dem Begriff „Bodenspekulation" keineswegs eine etwa das allgemeine Wirtschaftsleben schädigende Beeinflussung oder ein künstliches Schrauben der Preise zu verstehen.. Im Gegenteil ist ein billiger Ankauf von günstig gelegenen Terrains, eine darauf folgende Meliorierung und intensive Kultivierung derselben und schliesslich ein Verkauf der bedeutend wertvolleren Ländereien in kleinen oder grossen Parzellen mit entsprechendem Gewinn ein durchaus reelles Geschäft zu nennen. Die Vorbedingungen für eine hohe Rentabilität derartiger Unternehmungen finden sich allerdings nicht häufig in warmen Ländern verwirklicht. Ein dicht bevölkertes, in blühender wirtschaftlicher Entwicklung befindliches Land, dessen Kulturbodenareal eine begrenzte Ausdehnung und womöglich eine beschränkte Ausdehnungsfähigkeit hat, dessen Bewohnerschaft ferner vorzugsweise in der Bodenkultur tätig ist, bietet sozusagen alle Voraussetzungen für glänzende Erträge von Meliorationsgesellschaften. Das einzige bedeutende Risiko ist dasjenige, welchem alle Erwerbsgesellschaften in fast gleichem Masse ausgesetzt sind, nämlich wirtschaftliche Krisen und politische Unruhen. Aber auch in diesen Zeiten kann durch ruhiges Abwarten, ' regelmässigen Verkauf der eigenen Bodenprodukte, eventuell Zukauf von billigen Terrains im Hinblick auf spätere Wertsteigerung, ein Kapitalverlust in der Regel vermieden werden. Gegenwärtig erfreuen sich Landgesellschaften, besonders in Aegypten, Natal, Süd-Australien und in Argentinien einer guten Rentabilität. Aegypten kann das klassische Land für Meliorations- und Landspekulationsunternehmungen genannt werden, da hier die oben erwähnten Bedingungen in selten vollkommener Weise vereinigt sind. Die im fruchtbaren Niltal bis zu einer Dichte von 311 Bewohnern per Quadratkilometer zusammengedrängte Bevölkerung bevorzugt zur Anlage ihrer in intensiver Bodenkultur -erworbenen Geldgewinne unter allen Umständen den weiteren Ankauf von Kulturland, und infolgedessen steigen schon seit einem Jahrzehnt die Bodenpreise in dem von der Wüste zu beiden Seiten begrenzten Niltal ununterbrochen. Der wichtigste Teil der ägyptischen Bodenmelioration, die Schaffung einer perennierenden Bewässerung, wird im grossen Stil von der Regierung in die Hand genommen und macht sich für diese selbst auch, abgesehen von eigenem Landbesitz und Landverkauf, allein durch die höheren Steuereinnahmen schnell bezahlt.

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