Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1905)
- Article
- Explorierung und Verwertung von Ländereien ; Meliorations- und Kolonisations-Gesellschaften
- Date
- 1905-10-01
- Page
- Seite 301 (sequence 4)
- Language
- German
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— 301 — derartiger Versuche im allgemein menschlichen Interesse ratsam ist. Allerdings mag es einige wenige Punkte in warmen Ländern geben, welche klimatisch und wirtschaftlich für eine Niederlassunggermanischer Bauern geeignet sind, aber es sind deren sehr wenige, und die endgültige Existenzfähigkeit einer solchen Niederlassung erweist sich erst nach einer Reihe von Jahrzehnten. Es ist nicht zu bezweifeln, dass viele Individuen germanischer Rasse eine vollkommene Akklimatisationsfähigkeit für die engeren Tropen besitzen, und dass auch eine ungemischte Fortpflanzung derselben dort möglich ist, aber dies sind eben nur Individuen, keine Auswanderer-Transporte, und im prozentualen Verhältnis ist ihre Anzahl zu der aller Rassenangehörigen gewiss sehr gering. Wesentlich günstiger ist dieses Verhältnis bei den dunkelhaarigen Südeuropäern, besonders bei den Romanen, sowie bei den Juden. Aber selbst eine gute Akklimatisationsfähigkeit der meisten Kolonisten vorausgesetzt, wird doch eine Kolonisationsunternehmung selten erfreuliche Resultate erreichen. Die Kosten der ersten Urbarmachung, die Beschaffung von Geräten, Vieh, des Baues von Wohnungen, sowie der Verwaltung der ganzen Niederlassung sind sehr bedeutende, und im Kleinbetrieb, der ja bei der Bodenbewirtschaftung der Ansiedler beabsichtigt ist, sind hohe Erträge kaum zu erwarten. Wenn dieselben doch nach langen Jahren erreicht werden, so kommen sie berechtigt erweise den arbeitsamen Bauern in erster Linie zugute. Wenn die Kolonisationsgesellschaft ihre Auslagen und Vorschüsse an die Ansiedler, sowie den etwa angesetzten Boden-Kauf- oder Pachtpreis schon in den ersten Jahren einziehen wollte, so würde sie ihre eigenen Leute der notwendigsten Subsistenzmittel berauben; wenn sie die Rückzahlung erst in späteren Jahren verlangt, so wächst damit ihr Zinsverlust, sowie ihr Risiko des Entweichens oder der schliesslichen Zahlungsunfähigkeit ihrer Bauern. Für die Besiedelung eines Gebietes mit Farbigen sind, soweit ersichtlich, bisher noch keine Grossunternehmungen gegründet worden. Die von Privatunternehmern besorgten Arbeitertransporte zu bestimmten Zwecken sind jedenfalls nicht hierzu zu rechnen. Die Konzessionsgesellschaften gedeihen bei nicht allzu ungünstigen wirtschaftlichen Bedingungen und guter Leitungschön eher befriedigend. Ihr Entwickelungsgang ist allerdings ein sehr verschiedenartiger, je nach dem Stande der Kolonie, in