Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1905)
- Article
- Explorierung und Verwertung von Ländereien ; Meliorations- und Kolonisations-Gesellschaften
- Date
- 1905-10-01
- Page
- Seite 300 (sequence 3)
- Language
- German
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— 300 — schalt voll zufliessenden Gewinne aus Handel, Bodenprodukten und Bergbau eben infolge noch mangelnder Entwickelung der letzteren Geschäftszweige naturgemäss gering. In der Regel ist das Gebiet der Gesellschaft noch dünn bevölkert, und daher sind der Inlandkonsum und der Import klein. Eine günstige Wendung kann jedoch die Entwickelung der Geschäfte nehmen, wenn bei der Durchforschung des Landes bedeutende natürliche Schätze, wie z. B. Kautschuk, Guttapercha, Elfenbein, Gold und Edelsteine aufgefunden werden. Immerhin ist das Risiko von Anfang an ein sehr bedeutendes, da in dem noch unvollkommen pazifizierten Lande selbst nach einigen Jahren friedlicher Entwickelung plötzlich ausbrechende Unruhen die bisher ausgeführten Arbeiten zunichte machen können. Relativ am besten sind die Aussichten einer souveränen Gesellschaft, welche von Anfang an mit dem ausgesprochenen Zweck gegründet wurde, das effektive Monopol eines in dem zu verwaltenden Gebiet bereits bestehenden entwickelungsfähigen Geschäftszweiges zu übernehmen, sei es nun der Importhandel oder die Ausbeute von bestimmten mineralischen oder Urwaldprodukten. Dem Wesen nach ähnlich den souveränen Landgesellschaften sind die ebenfalls über ausgedehnte, von der Regierung kostenlos oder zu geringem Preise überlassenen Gebiete verfügende Kolonisations- und Konzessionsgesellschaften. Sie haben keine Hoheitsrechte, sind aber auch nicht zu eigener Landesverwaltung verpflichtet. Als Gegenleistung für ihre Konzessionen übernehmen sie es, ihr Gebiet in möglichst rationeller Weise produktionsfähig zu machen. Die Kolonisationsgesellschaften beabsichtigen dies durch eine künstliche Besiedelung mit weissen oder farbigen Kleinbauern oder Viehzüchtern zu erreichen, während die Konzessionsgesellschaften nur im allgemeinen eine Erschliessung ihrer Ländereien und eine bestmögliche Verwertung derselben durch Handel, Minenbetrieb, eigene Bodenkultur oder Verpachtung,, sowie Landverkäufe bezwecken. Die Kolonisationsgesellschaften, welche nicht selten von vornherein in rein wohltätiger Absicht zur Unterbringung notleidender Auswanderer gegründet werden, gehören zu den finanziell am wenigsten aussichtsreichen Unternehmungen überhaupt. Die Versuche zur künstlichen Ansiedelung von Auswanderern germanischen Blutes in den Tropen oder Subtropen haben in so vielen Fällen den schlimmsten Ausgang genommen, dass es prinzipiell sogar fraglich erscheint, ob eine Wiederholung.