Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1905)
- Article
- Vom amerikanischen Orient
- Date
- 1905-10-01
- Page
- Seite 296 (sequence 8)
- Language
- German
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— 296 - wird. Eine Familie, deren Arbeitskräfte bei extensiver Ackerwirtschaft für etwa 30—40 ha vollständig ausreichen, wird ja kaum ein Viertel dieser Fläche mit denselben Arbeitskräften intensiv bebauen können. Das hat sich bereits in der Nähe, unserer Kolonien in Judäa gezeigt, wo die Araber, durch das Beispiel unserer Kolonisten angeregt, nunmehr den Anbau intensivieren und infolgedessen einen Teil ihrer Felder zum Verkauf feilbieten. Schon vor anderthalb Jahren hat Dr. H. Loewe (x\ltneuland 1904, Heft 3) auf die Wichtigkeit des arabischen Unterrichts in der jüdischen Dorfschule in Palästina aufmerksam gemacht. „So sehr", schreibt er, „wir aus Gründen vernünftiger Volkserziehung gegen die Pflege fremder Sprachen in der Dorfschule sein müssen, so können wir es doch nicht übersehen, dass das jüdische Kolonisationsgebiet inmitten einer arabisch sprechenden Bevölkerung sich deren Einwirkung nicht entziehen kann. Der Araber kommt als Tagelöhner und als Beamter in Handel und Wandel täglich mit dem Juden in Berührung, und ein natürlicher Sprachaustausch findet dauernd statt. Es ist eine Tatsache, dass jeder jüdische Bauernjunge in unseren Dörfern mehr oder minder arabisch versteht und dass diese Kenntnis mit den Jahren wächst. Ohne daher den Schüler anzustrengen, könnte man ihn in die Elemente dieser für den Verkehr mit den Behörden notwendigen Sprache und Schrift einführen, während heute meisthin die Kolonie in grösster Verlegenheit ist, wenn ein arabischer Brief oder gar ein amtliches Schreiben eintrifft." Für uns ergibt sich die Notwendigkeit des arabischen Unterrichts schon daraus, dass es ein wirksames Mittel ist, um die arabische Bevölkerung Palästinas, die selbst bei den günstigsten Resultaten unserer Arbeit daselbst nie eine quantite negligeable bilden wird, an das jüdische Element zu ge wohnen und es für ein freundschaftlich-nachbarliches Zusammenleben mit uns zu erziehen, wobei freilich der hebräische Charakter unseren Schulen in vollem Masse gewahrt werden soll. Kenner der Verhältnisse wissen, dass für diese Bestrebungen die besten Auspizien vorhanden sind, dass sich z. B. vielfach arabische Scheichs an die jüdischen Schulen um die Aufnahme ihrer Kinder gewandt haben und dass dem jüdischen Arzte vor dem nicht jüdischen immer der Vorzug gegeben wird. Es ist ebenfalls in den Kolonien eine häufige