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Altneuland · 1905-10-01 · Heft 10 (Oktober 1905) · p. Seite 297

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Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 10 (Oktober 1905)
Article
Vom amerikanischen Orient
Date
1905-10-01
Page
Seite 297 (sequence 9)
Language
German
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— 297 — Erscheinung, dass Araber, die einige Jahre daselbst verbracht haben, sich den jüdischen Einwohnern derart assimiliert haben, dass sie hebräisch und jüdisch sprechen und auch dann, wenn sie keine Arbeit mehr haben, lieber in den Kolonien Hunger leiden, als dass sie in ihre Dörfer zurückkehren, wo sie eigenen Besitz haben mögen, wo ihnen aber das jetzige arabische Leben und die Unkultur nicht mehr behagen. Die Stammes¬ und "Wesensverwandtschaft der Araber und der Juden hat eben naturgemäss zur Folge, dass sich die ersteren den letzteren näher fühlen als selbst den tolerantesten Christen. Das beweist übrigens auch die oben bereits erwähnte Schülerliste des Beiruter Colleges. Trotz der manchem fast unglaublich erscheinenden Toleranz, die in diesem Institut geübt wird — am letzten Mohammedstage versammelte sich die ganze Schülerschar in der grossen, romanischen Kapelle des protestantischen Kollegs und hörte dort nach Sang und Andacht einen Vortrag über Mohammeds Bedeutung — gibt es doch unter den 700 Schülern nur 100 Mohammedaner, also ein Siebentel der gesamten Schülerzahl, während die Mohammedaner 4/ö der Gesamtbevölkerung Syriens ausmachen. Setzen wir aber unsere doloe-far-niente-Politik in bezug auf die einheimische Bevölkerung fort, so wird es uns weiter nicht wundernehmen dürfen, wenn die Kultivierung derselben, die doch früher oder später fait accompli sein wird, in einer uns nicht gerade günstigen Weise geschehen wird. „Wer nicht für mich wirkt, wirkt gegen mich." Gibt es doch schon jetzt arabische Zeitungen, die von ehemaligen Zöglingen christlicher Schulen herausgegeben und in löblich judenfeindlichem Geiste redigiert werden. Kein Wunder füglich, dass der Araber, der aus solchen Quellen seine Welt- und Menschenkenntnis schöpft, allmählich misstrauisch gemacht, ja zum Teil sogar gegen den einwandernden- Juden aufgehetzt wird. Wie segensreich könnte schon eine von unserer Seite herausgegebene, aufklärende Zeitung in arabischer Sprache wirken. Es mag daher sein, dass Ch. Epstein,*) der in einer während des letzten Baseler Kongresses abgehaltenen Versammlung ähnliche Ansichten vertrat, etwas ungeschickt zu Werke ging. In der Sache jedoch sind seine Behauptungen des eingehendsten Studiums wert. *) Der frühere Lehrer und Direktor der Schule in Rosch-Pinah, Ch. Epstein, hielt in. den Kon^resstagen zu Basel eine Versammlung ab, in welcher er sich über die ICingeborenenfrage in Palästina in ähnlicher Weise äusserte. D. Red.

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