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Altneuland · 1905-10-01 · Heft 10 (Oktober 1905) · p. Seite 295

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 10 (Oktober 1905)
Article
Vom amerikanischen Orient
Date
1905-10-01
Page
Seite 295 (sequence 7)
Language
German
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— 295 — halte endlich die jüdische Hochschule — Universität und technische Hochschule — nicht für eine Utopie. In Beirut haben sowohl die Jesuiten wie die amerikanischen Protestanten je eine Universität errichtet, an denen europäische und amerikanische Gelehrte dozieren, und die von zahlreichen orientalischen Christenjünglingen besucht werden. Die Folge dieser Einrichtungen ist, dass in allen diesen Ländern die Intelligenz und die liberalen Berufe ein Monopol der Christen sind, dass diese die geistige, und mehr und mehr auch die pekuniäre und agrikole Herrschaft für sich in Besitz nehmen. Will man die Juden des Morgenlandes intellektuell und materiell heben und mit Griechen, Armeniern und Syrern konkurrenzfähig machen, so muss man zu demselben Mittel greifen, das diese anwenden: Fortbildungsbezw. Sekundär- und endlich Hochschulen." Wohl wäre es verkehrt und würde sicherlich weit ab vom Ziele führen, wenn wir den „amerikanischen Stil" ohne alle. Modifikation imitieren wollten. Eine Verschiedenheit des Vorgehens, der Mittel und Wege, ist schon aus der Verschiedenheit der angestrebten Ziele gegeben. Denn während der amerikanische Unternehmungsgeist im „nahen Osten" nichts weiter als die Erschliessung eines Gebietes für seine mächtig emporwachsende Industrie sucht, bedeutet für uns der palästinensische Länderkreis das „Ein und Alles" und wir sollen nun einmal mit ihm dauernd verknüpft werden. Wir haben für eine Ewigkeit zu bauen. Aber eben deshalb werden wir mit der Politik nach der berühmten Art des Vogels Strauss ein für allemal brechen müssen. Wir müssen aus der Enge des Gesichtskreises heraus, in welchem die Praxis des ehrwürdigen Chowewe-Zionismus befangen war. Namentlich werden wir uns der Aufgabe nicht entziehen können, die arabische Landbevölkerung Palästinas mit unserem Geiste zu durchdringen und in ihr die Ueberzeugung zu befestigen, dass die Herbeiströmung jüdischer Massen durch ihre Folgen: Intensivierung des Landbaus und Erschliessung der anderen Hilfsquellen des Landes, nur den materiellen Aufschwung der Araber herbeiführen wird. Nicht nehmen werden wir, sondern geben, viel geben: Kapital, Intelligenz, Kraft. Dass aber unsere semitische Vettern zur Intensivierung der Agrikultur übergehen, ist schon darum auch in unserem eigenen Interesse gelegen, weil dadurch naturgemäss immer mehr Boden frei

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