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Altneuland · 1905-10-01 · Heft 10 (Oktober 1905) · p. Seite 293

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 10 (Oktober 1905)
Article
Vom amerikanischen Orient
Date
1905-10-01
Page
Seite 293 (sequence 5)
Language
German
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— 293 — entgegenbringt, besetzt vielfach die offiziellen Aemter der Distriktsärzte und Munizipalärzte mit diesen „amerikanischen Aerzten". i Ebenso ist es mit den Lehrern. Aus fast allen europäischen Ländern werden nach dem Orient Lehrer gesandt, die aber auf dem wildfremden Gebiete von ihren Zöglingen immer als fremde Männer angestarrt werden. Den Amerikanern dagegen steht eine Schar eingeborener Lehrer zur Verfügung. Kein Wunder füglich, wenn ihre Erzieher von den verschiedensten Schulen bereitwillig aufgenommen werden. Noch an einen anderen sehr wirksamen Apparat haben die Amerikaner den Finger gelegt: an die Presse! Eine ganze Reihe angesehener türkischer und arabischer Zeitungen wird von den Zöglingen der Amerikaner geleitet und ihr Einfluss ist nicht gering. Dieses dünne, aber feste Netz amerikanischer Bildung ist vor vier Jahren durch die Errichtung der School of Commerce als Abteilung des Syrian protestant College weiter gesponnen worden. Durch das neue Institut ist für die Amerikaner eines der im orientalischen Handel schwierigsten Probleme gelöst: die „Vertreterfrage", die viele europäische Kaufleute nach empfindlichen Verlusten ganz abgeschreckt hat. In allen Hauptplätzen des orientalischen Handels sind ehemalige Schüler der Colleges zu finden, also Männer, die genau wissen, was der Orient braucht und was der Occident liefern kann, und die den Amerikanern näher stehen als irgend einem anderen Kulturvolke. Schon sind mehrere hundert solcher ständiger Agenturen vorhanden, die von einer gemeinsamen Zentrale aus durch eine leistungsfähige Organisation unterstützt werden. Eine Bankabteilung vermittelt den Kredit. Schliesslich sei noch auf einen wesentlichen Unterschied zwischen europäischem und amerikanischem Export aufmerksam gemacht: Die europäischen Völker senden seit vielen Jahren dem Orient ihre Waren, ohne an seinem Zustande selbst etwas gebessert zu haben. Sie bauen Eisenbahnen im türkischen Reiche und meinen, dass die Schienen ganz von selbst den Orient erschliessen werden. Kein Wunder fügiich, dass sich kein europäisches Volk erheblicher Fortschritte seines Exportes rühmen kann. Der amerikanische Export hingegen beschränkt sich nicht darauf, mit den anderen Staaten in der Lieferung der üblichen Waren zu konkurrieren, son-

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