Mannheim
Compact Memory

Altneuland · 1905-10-01 · Heft 10 (Oktober 1905) · p. Seite 292

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 10 (Oktober 1905)
Article
Vom amerikanischen Orient
Date
1905-10-01
Page
Seite 292 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2266000-2266015-2266025-2267745--1342-2267789
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

_ 292 — mache sie zu Lehrern, denn die Schulen der Türkei haben Mangel an gebildeten orientalischen Kräften. Man mache sie zu Kennern der modernen Landwirtschaft, denn die fruchtbaren Aecker des Orients Averden heute von Barbaren bestellt. Man mache sie vertraut mit Handel und Industrie, denn der Verkehr der Levante hat eine Zukunft." Drittens fügen die Amerikaner leise hinzu: Diese Pioniere sollen wie Amerikaner erzogen werden, um sie so dauernd an amerikanische Interessen zu fesseln. Deshalb wird der Unterricht genau wie in Boston erteilt. Zu Amerikanern oder wenigstens halbwegs zu Amerikanern sollen die jungen Orientalen gemacht werden. Und so geschieht es! „Um zwei Pole dreht sich alles: Amerika und Orient I Ganz leicht, natürlich und notwendig werden von Pol zu Pol geistige Beziehungen gesponnen: Der syrische Kaufmannssohn, der bei seinen volkswirtschaftlichen Studien die Werke des Amerikaners W a 1 k e r zuerst und am meisten benützt, der ägyptische Mediziner, der mit amerikanischen Instrumenten nach amerikanischen Methoden zu arbeiten lernt, alle diese Studenten, die von amerikanischen Lehrern unterrichtet werden, gleiten fast unmerklich in die Interessensphären und in die Denkweise der Amerikaner hinüber. Täglich und stündlich werden ja die Gedanken hinübergeführt in das vorwärtsschreitende Amerika, um dann prüfend und erstaunt zurückzukehren in die schlafende Heimat." Diese Grundsätze, die in 20 schweren Jahren gesucht und erarbeitet worden sind, haben sich selbst die beste Verteidigungswaffe geschmiedet: den Erfolg! Den Weg bahnen im wahrsten Sinne des Wortes die Aerzte. Der medizinische Beruf ist am meisten geeignet, den nationalen oder religiösen Gegner zu entwaffnen. So haben sich zum Beispiel im Mittelalter die schlimmsten Judenfeinde in der Stunde der Not an den jüdischen Arzt gewandt. Ebenso ergeht es den „amerikanischen Orientalen." Sie sind der englischen Verwaltung in Aegypten unbehaglich, jedoch Aerzte brauchen die Engländer und so wenden sie sich an das College, damit es nach Aegypten und dem Sudan Mediziner entsende. Denn unersetzlich ist im Orient der modern gebildete orientalische Arzt, der englisch, türkisch und arabisch spricht und die Gewohnheiten des Orients kennt. Sogar die türkische Regierung, die den missionierenden Amerikanern einen ungeschminkten Hass.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.