Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
- Date
- 1905-09-01
- Page
- Seite 276 (sequence 9)
- Language
- German
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— 276 — deutschen Forscher sprechen, wenngleich sie auf all diesen Gebieten redlich mitgearbeitet haben. Hingegen verdankt die geographische und geologische Forschung Vorderasiens deutschen Forschern viel, sowohl Kleinasiens (Kiepert, v. d. Goltz, v. Diest, Märcker, Kannenberg, Fitzner, Schlagintweit, Naumann, Philippson), als auch Syriens (v. Oppenheim, Sachau, Hartmann, Moritz, Schumacher, Blanckenhorn), sowie auch Arabiens (Niebuhr, v. Maltzan, Euting, Glaser etc.), nicht zu vergessen die zusammenfassenden Werke Karl Ritters über Vorderasien. In den übrigen Gebieten der Naturwissenschaft treten die deutschen Forscher weniger stark hervor. Im Gegensatz zu den französischen und englischen Forschern haben die deutschen Gelehrten sich aber mit wenigen Ausnahmen von politischen und wirtschaftlichen Fragen ferngehalten, und mit Recht sagt Dr. Hugo Grothe in seiner Studie „Deutschland und das Mittelmeer": „Wäre allzeit der deutsche Forscher und Gelehrte mit solchem Selbstbewusstsein für die politischen und wirtschaftlichen Ziele seiner Nation eingetreten, wie Engländer und Franzosen es taten, so wäre Deutschlands Stellung im Mittelmeer wie in anderen Teilen der Welt eine bei weitem günstigere." Wirtschaftliche resp. wirtschaftlich - politische Forschungsreisen gehören in Deutschland erst der neuesten Zeit an, und werden auch vielfach, da sie von wirtschaftlichen Interessengruppen ausgesandt werden, in ihren wesentlichen Ergebnissen geheim gehalten. Nur das Kolonial-Wirtschaftliche Komitee verfolgt das Prinzip der Veröffentlichung der Ergebnisse, wozu z. B. die Baumwollexpertise von Dr. Endlich in Smyrna zu rechnen ist. Hingegen waren einige private Reisende in der Lage, über ihre wirtschaftlichen Forschungen Bericht zu erstatten, so Prof. Fitzner, Dr. Rohrbach, Dr. Grothe, Major Schlagintweit. Wir gehen sicher einer Zeit entgegen, wo man auch der wirtschaftlichwissenschaftlichen Forschung viel mehr Wert beilegen wird als bisher und auch die Ergebnisse, falls es sich nicht um spezielle Erforschung von Bodenschätzen handelt, ohne Scheu veröffentlichen wird, einsehend, dass sie sich doch nicht als Geheimnisse für längere Zeit wahren lassen. Fassen wir nun das, was wir über den indirekten wirtschaftlichen Einfluss kennen gelernt haben, zusammen, so gelangen wir zu folgendem Endresultat: So bedeutend auch der kulturelle Einfluss Deutschlands in bezug auf Erziehung, gemeinnützige Tätig-