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Altneuland · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. Seite 275

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
Date
1905-09-01
Page
Seite 275 (sequence 8)
Language
German
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- 275 — sein würde, das doch immerhin zu Missdeutungen Veranlassung gebende Wort „evangelisch" fortzulassen, erscheint mir erwägenswert. An höhere und technische Schulen hat sich Deutschland im türkischen Orient noch nicht recht herangewagt. Wohl ging man mit dem Plane um, in Jerusalem eine deutsche Mittelschule (höhere Realschule) zu erbauen, aber die Templer und die evangelischen Deutschen konnten sich nicht einigen; erstere wollen sie nahe bei der Kolonie und exklusiv, letztere vor dem Jaffator und auch Einheimischen zugänglich gemacht haben. Wie man sieht, hat das orientalische für die Kultur des Landes so schädliche Abschliessungs- resp. Einschachtelungssystem in Milets (konfessionelle Natiönchen) auch schon die Templer ergriffen. Hingegen haben Deutsche indirekt als Lehrer resp. Leiter der türkischen Müitärschule und der neuen Medizinschule in Konstantinopel einen sehr bedeutenden Einfluss auf die kulturelle Entwicklung der Türkei, und ebenso ist die von deutsch-evangelischer Seite gegründete Handwerkerschule in Urfa, welche die Teppichweberei dort eingeführt hat, von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Auch das neuerdings von dem Hilfsverein der deutschen Juden in Jerusalem gegründete jüdische Lehrerseminar, das der unter österreichischem Schutz stehenden, deutschjüdischen v. Lämel-Schule angegliedert ist, erfreut sich deutschen Schutzes. Voran ist Deutschland bisher eigentlich nur in einzelnen Zweigen der wissenschaftlichen Erforschung Türkisch-Asiens gewesen, besonders in bezug auf die archäologischen Forschungen in Kleinasien und Armenien, dank den Bestrebungen von Männern wie Schliemann, Dörpfeld, Humann, Hirschfeld, Virchow, Furtwängler, v.Luschan,Körte, Sarfe, Belck,Lehmann etc.; inPalästina hatEngland infolge der Arbeiten des Palestine Exploration Fund mindestens ebensoviel geleistet wie der Deutsche Palästina- Verein, und das neue deutsche evangelische Institut für Altertumsforschung im heiligen Lande muss sich erst seine Sporen verdienen; auch in Mesopolamien ist die Deutsche Orientgesellschaft erst in neuester Zeit erfolgreich bemüht, den Vorsprung, den die Engländer, Amerikaner und Franzosen erlangt haben, wieder einzuholen. Was die Forschungen auf philologischem und historischem Gebiete betrifft, so kann man kaum von einem Uebergewicht der

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