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Altneuland · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. Seite 274

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
Date
1905-09-01
Page
Seite 274 (sequence 7)
Language
German
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— 274 — Soweit mir bekannt, gibt es solche Schulen bisher nur an der anatolischen Eisenbahnlinie und in Smyrna. An letzterem Orte besteht eine von dem Oberlehrer Meyerstein 1893gegründete private, aber von der deutschen Regierung unterstützte Knabenschule, deren Lehrplan sich der deutschen Realschule anschliesst und die Schüler bis zur Reife für Obertertia bringt. Unter den im vorigen Jahre 71 Schülern sind nur 15 % Reichsdeutsche, 20 % Oesterreicher und Schweizer, daneben noch einige Italiener und Spanier, also die Majorität Eingeborene: Griechen, Armenier, Juden und Türken1). In Eskischehir, dem Knotenpunkte der anatolischen Eisenbahn, hat die Direktion der letzteren ebenso wie an dem Ausgangspunkte in Haidar - Pascha -eine deutsche Schule für die Kinder ihrer Beamten eingerichtet, die in ihrem Programm ungefähr deutschen Volksschulen entsprechen. Selbstverständlich werden die Schulen gleichfalls vielfach von Nichtdeutschen besucht, z. B. befinden sich in der Schule von Eskischehir unter 100 Schülern 60 Griechen und nur einige Deutsche, Oesterreicher und Schweizer. Erfreulich ist das Bestreben, jetzt auch in Jerusalem, dem Hort aller konfessionellen Reibungen und Intriguen, eine konfessionslose deutsche Schule zu gründen, zu welchem Zwecke sich in Jerusalem ein Komitee gebildet hat, das auch von dem dortigen deutschen Konsul nach Kräften unterstützt wird. Das geplante Schul- und Vereinshaus „Jesajanum" wird zwar in dem Prospekt als deutsch-evangelisch bezeichnet, doch wird betont, dass der Ausdruck evangelisch nicht in dem gebräuchlichen Sinne als Konfession aufzufassen ist, sondern in seiner ursprünglichen Bedeutung, die mit Kirchenform und Gottesdienstordnung nichts zu tun hat; es wird im Gegenteil geplant, Christen jeder Konfession, Mohammedaner und Juden in gleicher Weise heranzuziehen; der Eigenart einer jeden Kirche soll Rechnung getragen werden, ohne dass eine vor der anderen bevorzugt wird. Ob es in diesem Falle nicht besser und der Sache dienlicher *) Eine weit bedeutendere und auch im oberen Lehrplan weiter hinauf reichende deutsche Schule beneidet sich in Konstantinopel, die sich gleichfalls der Unterstützung seitens des Deutschen Reiches erfreut. Welcher steigenden Beliebtheit sie sich aber auch bei Nichtdeutschen erfreut, geht daraus hervor, dass im Jahre 1S92 von 338 Kindern 214 Deutsche, Oesterreicher und Schweizer und 124 Kinder anderer Nationalität die Schule besuchten, während im Jahre 1902 von 559 Schülern schon 291, also die Majorität, fremder Nationalität waren. Auch in Saloniki beiladet sich eine deutsche Schule, die 1887 unter Mithilfe des Verwaltangsrates der Orientalischen Eisenbahnen begründet wurde, die aus vier zweijährigen Klassen besteht und den Lehrplan der deutschen Mittelschulen hat.

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