Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
- Date
- 1905-09-01
- Page
- Seite 273 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 3× ep/1047930
- Beirut 1× ep/1047833
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— 273 — Und doch lebt in manchen Städten des türkischen Orients eine nicht unansehnliche Zahl deutscher Untertanen; so sind in Jaffa von 875 christlichen Fremden 630 Deutsche; in Haifa sind unter 650 Europäern 510 Deutsche, in beiden Orten grösstenteils Templer; in Jerusalem leben inkl. der 400 Templer ca. 700 und in Smyrna ca. 210 Angehörige des Deutschen Reiches. Deutsche Schulen gibt es vor allem in den Templergemeinden, in Haifa, Jaffa, Jerusalem; die Templerschule in Jerusalem, das sog. „Lyzeum des Templerstifts" ist eine Verbindung von Volksschule mit einer Art Gymnasium. In Jerusalem gibt es auch eine deutsch-katholische Schule für Knaben und Mädchen; ebenso dort, in Jaffa und in Haifa noch evangelische Schulen für Knaben und Mädchen: in Bethsahur bei Bethlehem hat der Jerusalem-Verein eine Missionsschule eingerichtet, die von 40 — 60 meist arabischen Zöglingen besucht wird. Wichtiger sind die grossen mit den deutschen Waisenhäusern verbundenen, von Kaiserswerther Diakonissinnen geleiteten Pensionate und Mädchenschulen in Beirut und Smyrna, die etwa höheren deutschen Töchterschulen gleichstehen. Sind dies alles wirkliche Konfessionsschulen, die mehr die Verbreitung und Erhaltung der betreffenden Konfession bezwecken als die deutsche Kultur, Sprache und Denkweise, wenn sie natürlich auch nach dieser Richtung wirken, so macht sich jetzt neuerdings immer mehr die Richtung geltend, den Boden der Konfessionalität zu verlassen und vielmehr die neu zu errichtenden deutschen Schulen auf dem allgemeinen Boden deutscher Kultur und Sprache aufzubauen. In dieser Beziehung sind namentlich die Amerikaner vorbildlich, die schon längst eingesehen haben, dass die strenge Konfessionalität in einem religiös so zerklüfteten und in scharf umschriebene Einzelgemeinschaften zerfallenen Lande, wie der türkische Orient, nicht die geeignete Unterlage ist, um allgemeine Kulturgüter zu verbreiten, noch auch, um das Land wirtschaftlich an sich zu ketten. Die Zahl der deutschen konfessionslosen oder besser gesagt schwach konfessionellen Schulen im Orient ist bisher freilich noch -eine sehr geringe, aber es ist zu erwarten, dass gerade diesen Schulen eine grosse Zukunft bevorsteht, dass sie sich auch in Eingeborenenkreisen einer immer grösseren Beliebtheit erfreuen werden und sehr zur Entwicklung des Landes sowie zu engerer Verbindung des Orients mit Deutschland beitragen werden.