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Altneuland · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. Seite 272

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
Date
1905-09-01
Page
Seite 272 (sequence 5)
Language
German
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— 272 — weniger als 120 armenischer Herkunft. Gleichfalls für Armenier ist nach den Metzeleien je ein evangelisches Waisenhaus in Bethlehem und in Urfa gegründet worden. Auch die dem Sanitätswesen dienenden deutschen Institutionen sind von kultureller Bedeutung für das Land. . So gibt es deutsche evangelische Hospitäler des preussischen Johanniterordens in Jerusalem und Beirut, von Kaiserswerther Diakonissinnen als Schwestern bedient, in Jerusalem mit eigenem Arzt, in Beirut von den Aerzten der medizinischen Fakultät der amerikanischen Hochschule geleitet. Ferner wird das Aussätzigenhaus in Jerusalem von der Herrnhuter Brüdergemeinde unterhalten und von einem deutschen Arzt geleitet; seit 1903 ist auch dem syrischen Waisenhaus dank einem von Graf Münich in Dresden dazu vermachten Kapital von 200 000 Mark ein Blindenheim für 40 Kinder angegliedert; auch in Jaffa existiert ein deutsches Hospital. In Urfa befindet sich eine deutsche ärztliche Klinik und Apotheke, in Bethlehem eine deutsche Apotheke, desgleichen in Jerusalem, Jaffa, Haifa, sowie in Beirut die sog. ,,Preussische Apotheke". Während die deutschen Katholiken schon für ihre Geistlichen und Pilger einige Stunden von Jerusalem entfernt, zu Emmaus, in gesunder fruchtbarer Gegend ein Sanatorium mit 30 Morgen grossem Garten besitzen, wird demnächst auch von evangelischer Seite ein Sanatorium bei Jerusalem errichtet werden, und zwar ist auf dem Oelberg das dazu passende Land schon gesichert worden. Es soll von Kaiserswerther Diakonissinnen bedient und später, wie erwähnt, auch ein Pilgerheim damit verbunden werden. Von jüdischen Institutionen steht vor allem das sog. Amsterdamer Krankenhaus in Jerusalem unter deutschem Schutz, während das jüdische Waisenhaus daselbst sich der Protektion Oesterreichs erfreut. Was das deutsche Schulwesen im türkischen Orient betrifft, so lässt es sich an Bedeutung nicht im entferntesten mit dem der Franzosen, Russen, Amerikaner und Italiener vergleichen, da Frankreich ebenso wie Italien und Russland gewaltige Summen für die Schulen im Orient opfern, während die Zuschüsse Deutschlands dafür bisher im Verhältnis hierzu äusserst gering sind, da der Reichstag für deutsche Auslandsschulen nur 100 000 M. jährlich aussetzt.

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