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Altneuland · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. Seite 271

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
Date
1905-09-01
Page
Seite 271 (sequence 4)
Language
German
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— 271 — Im Interesse der wirtschaftlichen Bestrebungen Deutschlands liegt es jedenfalls, so wenig wie möglich religiöse Propaganda zu machen; denn der Orientale — einerlei ob Mohammedaner, orthodoxer Christ oder Jude — ist in bezug hierauf sehr empfindlich, und der Schaden, den die Unbeliebtheit einer stark missionierenden Nation in wirtschaftlicher Beziehung anrichtet, wird in keinem Falle durch die geringe wirtschaftliche Bedeutung der faktischen Missionserfolge aufgewogen. Die katholische Gesellschaft im Heiligen Lande besitzt auch noch eine Niederlassung zu et-Tabigha bei Kapernaum am Tiberiassee mit einem Gut von 1200 Morgen Landes, welches die Anstalt selbst erhält, ferner ein mehr der Krankenverpflegung dienendes Hospiz zu Haifa, sowie eine Knaben- und Mädchenschule in Jerusalem, die aber hauptsächlich von Arabern besucht wird. Auch andere katholische Gesellschaften, wie der Verein vom Heiligen Grabe, der Zionsverein, der Verein von der unbefleckten Empfängnis etc., interessieren sich für Palästina. Als Mittelpunkt der deutschen Katholiken in Palästina wird die Marienkirche beim Zionstor in Jerusalem dienen, die jetzt mit einer Bausumme von 600 000 M. errichtet wird und schon in diesem Jahre eingeweiht werden soll. Die deutschen Protestanten besitzen hingegen schon seit einigen Jahren einen solchen Mittelpunkt in der schönen Erlöserkirche in Jerusalem, während im vorigen Jahre auch in Jaffa eine kleine schmucke evangelische Kirche eingeweiht wurde. Weit wichtiger als die religiös - propagandistischen Bestrebungen Deutschlands ist die gemeinnützige und erziehliche Tätigkeit der Deutschen im türkischen Orient, auch wenn sie grösstenteils auf religiöser Basis aufgebaut ist. Namentlich die Zahl deutscher Waisenhäuser im Orient ist recht bedeutend. Das älteste ist wohl das von Pastor Schneller gegründete und von seinem Sohn jetzt geleitete syrische Waisenhaus in Jerusalem, das ca. 120 Knaben erzieht, von Köln aus dirigiert und vom evangelischen Jerusalem-Verein unterstützt wird. Gleichfalls in Jerusalem befindet sich das von Diakonissinnen aus Kaiserswerth geleitete Mädchenwaisenhaus Talitha-kumi, wo etwa 120 Mädchen gleichfalls im evangelischen Geiste erzogen werden. Die Kaiserswerther Diakonissinnen leiten gleichfalls je ein Waisenhaus in Beirut (mit 130 Mädchen, darunter 50 Armenierinnen) und in Smyrna; letzteres wurde nach den armenischen Metzeleien im Jahre 1896 errichtet, und es sind von ca. 136 Zöglingen nicht

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