Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
- Date
- 1905-09-01
- Page
- Seite 270 (sequence 3)
- Language
- German
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— 270 — bisher zurück, so wird infolge des Interesses, das der Kaiser gerade diesen Bestrebungen zuwendet, bald Deutschland ebenbürtig in Palästina vertreten sein. Während bisher die protestantischen Pilger in Jerusalem die Unterkunft in dem deutschen Johanniterhospiz fanden, die Katholiken im katholischen Hospiz, beide mitten in der engen Stadt gelegen und für Aufnahme grösserer Massen von Pilgern nicht geeignet, so wird jetzt seitens der Katholiken ein vorläufig auf 60 Pilger berechnetes deutsch-katholisches Hospiz mit einer Bausumme von 500 000 M. auf dem Paulusplatz errichtet, während die Protestanten später auf dem Oelberg ein für grössere Pilgermassen geeignetes Hospiz erhalten sollen. Das alte katholische Hospiz in der Stadt wird nach Vollendung des neuen hauptsächlich Schulzwecken dienen. Auch in Haifa besitzen die deutschen Katholiken ein Hospiz, das verbunden ist mit einem Schwesternhaus der Kom gregation des heiligen Borromäus. Zur Förderung der evangelisch-kirchlichen Einrichtungen und Anstalten in Jerusalem dient die 1889 von Kaiser Wilhelm II. errichtete „Evangelische Jerusalem-Stiftung", während die deutschevangelische Mission im übrigen Palästina von dem 1852 gegründeten, jetzt 13 000 Miglieder zählenden Jerusalem-Verein betrieben wird, der über Jahreseinnahmen von weit über 100 000 M. verfügt; und zwar wird weniger unter Mohammedanern und Juden, als unter arabischen Christen ,,gearbeitet", besonders in Bethlehem (seit 1860) und dem benachbarten Dorf Bet-Dschala und Bet- Sahur (seit 1900), Hebron (seit 1884), Haifa (1891), Jaffa (1892). Die Erfolge dieser religiösen Propaganda sind freilich, den geringen Anstrengungen entsprechend, geradezu minimale zu nennen, namentlich im Vergleich zu der katholischen und presbyterianischen Propaganda. Die deutsch-evangelischen Gemeinden zählen nur in wenigen Orten des türkischen Orients mehr als 100 Mitglieder unter den Eingeborenen, und blühende protestantische Gemeinden gibt es nirgends; sie sind auch dort, wo durch Rücktritt von Templern zum Protestantismus, wie in Haifa, Jaffa, Jerusalem etwas grössere und reichere Gemeinden existieren, infolge der geringen Zahl der Mitglieder — in Jerusalem z. B. gegen 200, in Haifa 160 — doch auf Zuschüsse aus Deutschland angewiesen. Bethlehem mit umliegenden Dörfern, sowie Nazareth, dürften jedes 250 eingeborene Protestanten zählen.