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Altneuland · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. Seite 260

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
Der palästinische Weinbau
Date
1905-09-01
Page
Seite 260 (sequence 4)
Language
German
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— 260 — unser Nationalvermögen gesündigt. Was man auch sagen mag, hat die Weinkultur in Palästina noch glückliche Tage vor sich. Zufrieden werden diejenigen sein, die neue Weinberge anlegen werden, denn sie werden sich mit einem kleinen Kapital und in einer ziemlich kurzen Zeit eine Quelle von bedeutenden Einnahmen sichern, und auf diese Weise das jüdische Vermögen in Palästina mehren. Der Weinbau beschränkt sich nämlich nicht allein auf die Erzeugung von leichten Tischweinen für den grossen Verbrauch. Der Weinbau kann und muss folgende drei Zweige umfassen: die Erzeugung von Wein, die Fabrikation von Rosinen und die Produktion von Tafeltrauben. Niemals wurde bei uns der Weinbau gleichzeitig unter dem Gesichtspunkte dieser drei Zweige der Produktion betrachtet. Die Erzeugung von Rosinen und Tafeltrauben könnten ja der Weinfabrikation den Vorrang streitig machen, und auch letztere wurde nur unter einem einzigen Gesichtspunkte betrachtet. Wir haben auf die Schwierigkeiten einer billigen Erzeugung von ordinären Tafelweinen hingewiesen. Man beging aber den Fehler, nach Feststellung der Hindernisse keine Schlussfolgerungen in bezug auf die Abänderung des Vorgehens zu ziehen. Zu allererst wollen wir der Absatzfrage Erwähnung tun. Die Schwierigkeit des Absatzes beschränkt sich nicht auf Palästina allein. Der Schrei des Unwillens ist allgemein. Die Weinproduzenten sämtlicher Länder klagen über Absatzschwierigkeiten. Dessenungeachtet wird die Weinproduktion fortgesetzt und die Weine werden schliesslich zu annehmbaren Preisen abgesetzt. Angesichts der Weltproduktion ist unser Jammern über die Schwierigkeit des Verkaufs von jährlich höchstens 70000 Hektoliter doch gerade lächerlich. Man schimpft über die Ueberproduktion und wir stimmen mit in den Schrei ein, in der Tat aber wird nirgends überproduziert. Man erzeugt nicht zuviel, sondern man erzeugt schlecht. Die besseren Produkte, von höherer Qualität, sind verhältnismässig billiger zu erzeugen und finden leichter Abnehmer. Da wir ja nicht imstande sind, grosse Mengen von ordinärem Wein an den Mann zu bringen, so liefern wir doch weniger, aber sehr feinen Wein, und sein Absatz wird leichter und lohnender zu bewerkstelligen sein. Diese hier geäusserte Idee steht in diametralem Gegensatz zu derjenigen, die sich schon seit einigen Jahren in. unseren Kolonien festgesetzt hatte, nämlich,

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