Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- Der palästinische Weinbau
- Date
- 1905-09-01
- Page
- Seite 259 (sequence 3)
- Language
- German
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Temperaturen mehr oder weniger beseitigt. Und man produzierte fortwährend grosse Mengen. Nun verspürte man auch bald in recht unangenehmer Weise die Bürde der Abgaben, und da merkte man, dass man sich auf falschen Bahnen bewegt hatte. Die Erzeugung von Wein war recht kostspielig, die Abgaben waren erdrückend, Absatzmöglichkeiten wurden nicht sukzessive geschaffen, und Zweifel wurden laut, Angstrufe ertönten. Man gab vor, das Unglück richtig erfasst zu haben. Es war aber eine leere Behauptung. Denn nichts wurde bis jetzt unternommen, um der sogenannten „W e i n b a u - krisis" in Palästina zu steuern, die höchstens in ihrer gegenwärtigen Form eine Weinkrisis zu nennen ist. Dass man die Ursache der Krisis nicht begriff, ersieht man aus der Tatsache, der Rekonstituierung der Weinberge in Zichron-Jacob nach dem verheerenden Auftreten der Phylloxera in dieser Kolonie. Es wurde hier nur ein Teil der alten, durch die Phylloxera vernichteten Weinberge neu bepflanzt, aber, trotzdem man schon einsehen gelernt hatte, dass es schwierig ist, Tafelweine in Palästina billig zu erzeugen und sie gut abzusetzen, wurden hier Sorten angebaut, die noch grössere Mengen leichter Weine liefern. Man spricht in Rischon Lezion von der Uebergabe der Kellereien an die Kolonisten, und weil wir ja eine Ue b e r p r o d u k t i o n hätten, erwägen die Vertreter der JCA und die Kolonisten mit ernsten Mienen die Frage der Vernichtung der feineren Sorten, die wenig Wein liefern, um .... sie durch eine gleich grosse Fläche von Sorten mit reichem Ertrag zu ersetzen!! Welcher Art auch die Mittel sein mögen, die man wählen wird, um der sogenannten Krisis der schon bestehenden Weinberge zu begegnen, die Tatsache scheint endgültig festzustehen, dass, da die Weinkultur notwendigerweise ein Uebel ist, neue Weinberge nicht gepflanzt werden dürfen. Die JCA sieht recht schief die neuen Anlagen an, und bemüht sich, sie zu verhindern, und die Kolonisten würden gern denjenigen einsperren, der ihnen eine für Kapital und Arbeit so undankbare Anlage empfehlen würde. Und dennoch behaupten wir, dass man sich in einem groben, verhängnisvollen Irrtum befindet. Durch die falsche Deutung der Tatsachen, die sich in den sämtlichen Gehirnen eingenistet hat, wird gegen unser Land und gegen