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Altneuland · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. Seite 258

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
Der palästinische Weinbau
Date
1905-09-01
Page
Seite 258 (sequence 2)
Language
German
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— 258 — inneren Dranges, wenn man so sagen darf. Es waren nur äussere Ursachen, die unseren Enthusiasmus hervorgerufen haben. In den Jahren 1880—1890 machte man in Frankreich gerade die ,,Rekon;Stitution" der Weinberge durch. (Darunter versteht man die Ersetzung der europäischen phylloxerakranken durch widerstandsfähige amerikanische Reben.) Die Produktion von Wein ging stark herunter, während gleichzeitig die Nachfrage sich vergrösserte. Die Phylloxera setzte ihre Verwüstungsarbeit fort, der Wein stieg im Preise und wir pflanzten Reben. Von Anfang an und gleichsam a priori wurden die einheimischen Varietäten des Weines ganz vernachlässigt, aus Gründen, die nicht triftig, oder besser gesagt, völlig grundlos sind. Man führte französische Sorten ein, die eine Art Bordeauxweine und französische „Midi'Veine, also Tafelweine für den alltäglichen Verbrauch lieferten. Nebenbei sei bemerkt, dass, trotzdem die palästinische Weinkultur dem Auftreten der Phylloxera ihren Ursprung verdankt, in den Kolonien fast nur europäische, also der Gefahr der Phylloxeraerkrankung ausgesetzte Reben angebaut wurden, so dass später auch wir von der Phylloxera heimgesucht wurden. Darauf kommen wir noch später zurück. Die Produktion von gewöhnlichen leichten Tafelweinen würde ja noch in einem Lande mit grossem eigenen Verbrauch oder in einem solchen, welches bequeme und billige Verbindungswege nach einem Absatzgebiete besitzt, gerechtfertigt sein. Die Schwierigkeiten dieser Bevorzugung der Bordeaux- und Midiweine kamen aber bald zum Vorschein. Unsere Weine waren sehr reich an Farbe (— Extraktivstoffen) und an Alkohol, die Temperatur des Landes war für eine langsame Gärung, die das feinere Bukett des Weines bedingt, allzuhoch. Und so nahm man, anstatt Produkte, unter Ausnutzung der natürlichen, klimatischen und anderen Bedingungen, zu erzeugen, zu der modernen Technik Zuflucht, um gleichsam die Natur zu verbessern. Unter Anwendung von oberflächlich aufgenommenen önologischen Theorien durch ungeübte Hände gelang es schliesslich, mit Not und Mühe den Gehalt an Farbe und Alkohol im Wein zu verringern. Durch sehr grosse, darum aber nicht etwa nützliche Gebäude, durch Eis- und andere Maschinen, die ebenso gewaltig wie überflüssig waren, wurde die Frage der hohen

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