Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 8 (August 1905)
- Article
- Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 237 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 237 — Hilgen der dortigen technischen Schule der Eisenbahn sind 18 Türken, 2 Armenier, 2 Griechen, 1 Italiener und 1 Oesterreicher, also nicht ein einziger Deutscher darunter. Interessant ist, was der Berichterstatter der „Kölnischen Ztg." am 31. Dez. 1904 über die Frage schreibt: „An den asiatischen Bahnen sind vertragsmässig vornehmlich türkische Staatsangehörige anzustellen. Die Zahl der Reichsdeutschen in der Direktion und den höheren Verwaltungsstellen ist nicht bestimmt, das Verhältnis wechselt von Fall zu Fall. Verwendbar überhaupt sind Reichsdeutsche aber nur, wenn sie mit Sprachkenntnissen ausgerüstet sind. Eine amtliche Sprache gibt es in der Verwaltung nicht. Die Behörden der Bahn wählen je nach der Person und dem Zweck die französische oder die deutsche Sprache, wobei allerdings das Französische bevorzugt wird, weil es eben mehr verstanden wird. Dies Zugeständnis an die Einheimischen ergibt sich aus der Sachlage, die zielbewusste französische Arbeit in Kirche und Schule geschaffen hatte. Wenn französische Schulen in der Türkei von rund 90 000 Schülern besucht werden, während unsere deutschen Anstalten rund 2400 zählen, so ist der Erfolg nicht wunderbar. Die braven Leute, die zu Hause in der reichsdeutschen Heimat hiergegen eifern und die Einführung des Deutschen als amtliche Sprache in den Dienst der Bahn verlangen, sind merkwürdigerweise dieselben, die ihre Lanzen für den Ausschluss von Kindern Einheimischer aus den deutschen Schulen in der Türkei zersplittern! Gewiss ist es wünschenswert, dass im Dienste der Bahn deutsch gesprochen wird, und die Türkei wird deswegen ebensowenig untergehen, wie wenn das Französische seine Stelle behauptet. Die Entscheidung hierüber steht den leitenden Personen zu, und diese Entscheidungen sind lediglich, vielleicht sogar etwas mehr als nötig, praktischer geschäftlicher Art. Die Verdächtigung, alldeutsch zu werden, ist lächerlich; man darf sogar sagen, dass die frühere Verwaltung der Orientalischen Bahnen ohne Schädigung ihrer Interessen mehr für die Anstellung von deutsch sprechenden Beamten und die Verbreitung des Deutschen getan hat als die Anatolische Bahn." Was übrigens den weiteren Ausbau der Bahnen im türkischen Orient betrifft, so ist für die nächste Zukunft nicht allzuviel zu hoffen. Der Weiterbau der Bagdadbahn kann, wie die Deutsche Bank selbst in ihrem vor kurzem veröffentlichten Jahresbericht bemerkt, nur dann „in grossem Masse aufgenommen werden,