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Altneuland · 1905-08-01 · Heft 8 (August 1905) · p. Seite 235

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Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 8 (August 1905)
Article
Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
Date
1905-08-01
Page
Seite 235 (sequence 11)
Language
German
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— 235 — Aber schon durch die erwähnten Arbeiten, wie den Hafen von Haidar-Pascha, die anatolische und Bagdadbahn, sind und werden bedeutende Mengen deutschen Geldes in der Türkei investiert, durch die 1033 km der anatolischen Bahn allein schon 190 Mill. Frcs. (60 Mill. Aktien, 130 Mill. Obligationen), durch die erste Sektion der Bagdadbahn Konia—Eregli—Bulgurlu — noch nicht der zehnte Teil der gesamten Bahn —, immer doch schon 54 Mill. Frcs., an deren Aufbringung nur Deutschland und die Schweiz beteiligt waren, eine Summe, die sich, falls die Bahn überhaupt vollendet werden wird, mit der Zeit für Deutschland allein auf 200 bis 250 Mill. Frcs. erhöhen wird. Es ist auch wohl unwahrscheinlich, dass, wenn die von der Bagdadbahn- Gesellschaft zur Untersuchung der mesopotamischen Petroleumquellen ausgesandte Kommission mit günstigen Resultaten zurückkehren wird, was als fast sicher anzunehmen ist, auch hierfür eine Konzession erwirkt und von Deutschland ein grosser Teil des dazu nötigen Kapitales geliefert werden dürfte, in welchem Falle dann wohl Deutschland mit Kapitalien von wenigstens einer halben Milliarde in der asiatischen Türkei beteiligt sein würde, nämlich ca. 450 Mill. Frcs. in den beiden Eisenbahnlinien, der Rest in Häfen (Haidar-Pascha z. B. 8 Mill. Frcs.), Petroleumgesellschaften und anderen mit den Bahnen in Zusammenhang stehenden Unternehmungen. Auch die neugegründete Orientbank wird vermutlich früher oder später in Türkisch-Asien grössere Konzessionen erwerben, und, falls — wie es zu erwarten ist — die deutsche Regierung die Sache begünstigt, so dürften auch zionistischerseits bald grössere Unternehmungen in Palästina unter deutschem Schutz und mit deutschem Gelde in Angriff genommen werden. Sollte aber, wie wir hoffen dürfen, dermaleinst die Bewässerung Mesopotamiens auf breitester internationaler Grundlage in die Hand genommen werden — denn England darf und wird sich hierbei sicher weder ausschliessen noch von den Kontinentalmächten verdrängen lassen —, so würde es keinem Zweifel unterliegen, dass sich auch Deutschland mit vielen Millionen an dieser grossen Kulturaufgabe beteiligen wird. So gross nun auch die Perspektiven sind, welche die wirtschaftliche Entwickelung Türkisch-Asiens dem deutschen Kapital sowie deutscher Arbeit und Intelligenz stellt, so weit ist Deutschland momentan von einem überwiegenden wirtschaftlichen Einfluss entfernt. Was Kapital betrifft, so hat Frankreich bisher

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