Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 8 (August 1905)
- Article
- Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 234 (sequence 10)
- Language
- German
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— 234 - in jedem Einzelfalle nur um Beschäftigung weniger deutscher Untertanen, ev. auch um Lieferung einiger Maschinen und Rohstoffe handelt, wo aber sogar unter Umständen Produkte erzeugt werden, die der Einfuhrware Konkurrenz machen, sind die grösseren Konzessions-Unternehmungen, die meist eine Anzahl deutscher Ingenieure, Techniker, Chemiker, Kaufleute etc. beschäftigen, daneben aber auch gewaltige Summen deutschen Kapitals verzinsen und grossen Import von Materialien aus Deutschland benötigen würden. Es handelt sich vor allem um Anlagen von Häfen und Quais, Strassen, Eisenbahnen, Kleinbahnen, Kraft-, Beleuchtungs¬ und Kanalisationsanlagen, Be- und Entwässerungen grossen Stils, sowie um Bergbauunternehmungen. Bisher ist Deutschland in bezug auf Konzessions-Unternehmungen bis auf den Eisenbahnbau im türkischen Orient recht schlecht vertreten. Es sind eigentlich nur der mit der anatolischen Eisenbahn in Verbindung stehende und durch sie bedingte neue vortreffliche Hafen von Haidar-Pascha, sowie die technisch bemerkenswerten Wasserwerke von Skutari-Kadikjöi zu erwähnen. Während die Franzosen nicht nur in Eisenbahn-Konzessionen in Türkisch-Asien besonders erfolgreich tätig gewesen sind,1) sondern auch mehrere wichtige Hafengesellschaften, neben Konstantinopel vor allem Smyrna und Beirut, konzessioniert erhalten haben, wTährend die Engländer hauptsächlich im Besitz kleinasiatischer Minenkonzessionen sind, eine belgische Gruppe kürzlich eine Konzession für elektrische Beleuchtung, Tram- und Kraftanlagen in Damaskus erhalten hat, so scheinen infolge des weniger wagemutigen deutschen Kapitales auch die deutschen Grossbanken nur geringe Lust zu haben, sich auf die Erwerbung türkischer Konzessionen einzulassen. Fast alle darauf hinzielenden Bestrebungen von Privatleuten resp. der sog. „Unternehmer", jener zweifelhaften, meist mit höheren türkischen Würdenträgern im Kompagniegeschäft arbeitenden Konzessions vermittler, sind an der ablehnenden oder doch sehr reservierten Haltung der deutschen Banken gescheitert, und ohne Unterstützung der Grossbanken bedeutende Summen in Deutschland zu erlangen, ist für grössere Unternehmungen ganz ausserordentlich schwer, und für die asiatische Türkei wohl noch niemandem gelungen. *) Es gehören den Franzosen bis anf die Hedschas- und die Haifa—Damaskusbahn sämtliche Bahnen Syriens, d. h. die syrischen Bahnen mit 438 km und die Jaffa-Jerusalembahn mit 87 km, daneben noch die 518 km lange Smyrna—Cassababahn in Kleinasien und ein bedeutender Anteil der im Bau begriffenen Bagdadbahn.