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Altneuland · 1905-08-01 · Heft 8 (August 1905) · p. Seite 233

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 8 (August 1905)
Article
Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
Date
1905-08-01
Page
Seite 233 (sequence 9)
Language
German
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— 233 — gewöhnt sind. Viele Unternehmungen dürften demnach durch Ermüdung der Angestellten und der Auftraggeber vor Erreichung der Rentabilität aufgegeben oder Eingeborenen überlassen werden; die Engländer und Amerikaner sind in dieser Beziehung vielleicht zäher, aber auch die deutschen Juden könnten hierbei sehr gute Pionierdienste leisten, wenn sie sich nicht schon daran gewöhnt hätten, soweit sie nicht dauernd Deutschland verlassen, lieber ihr Brot in der aufstrebenden Industrie oder im Handel innerhalb Deutschland selbst zu suchen. Am besten würde auch in der überseeischen Grossindustrie eine Verbindung jüdischer und germanischer Charaktereigenschaften, z. B. durch Assoziierung jüdischer kaufmännischer und germanischer technischer Kräfte, zum Ziele führen, wie wir es mit so grossem Erfolg in vielen technischen Industrien und auch in den Grossbanken sehen; aber momentan ist die soziale Trennung zwischen Christen und Juden gerade bei den Deutschen im Orient eine recht starke und wird sich wohl gerade in diesem dem Clanwesen so günstigen Lande auch so leicht nicht mildern. Auch rein jüdisch-deutsche Firmen würden wohl in der Grossindustrie im Orient Erfolg haben — ihre Techniker könnten sie ja suchen, wo sie wollen —, namentlich seitens der in Deutschland studierenden russisch-jüdischen Techniker liegt ja ein grosses Angebot vielfach sehr tüchtiger Kräfte vor. Jedoch ist die Neigung deutsch-jüdischer Kapitalisten, im Orient Anlagen zu machen, vorläufig noch eine sehr geringe, vielleicht in der hoffentlich unberechtigten Befürchtung, dass jüdische Firmen seitens der deutschen Konsulate keine allzu kräftige Unterstützung gegen Rechtsbeugungen seitens türkischer Beamter finden würden. Im wirtschaftlichen Interesse Deutschlands würde es jedenfalls liegen, diese häufig in jüdischen Kreisen ausgesprochenen Ansichten an drastischen Beispielen zu widerlegen, und je eher desto besser; denn ein reiner Nationalstaat kann nie eine "Weltmacht werden, und bei der rapiden Entwickelung zu einer solchen, in der Deutschland sich befindet, hat es grosses Interesse daran, nicht durch Nationalstaats-Velleitäten diese naturnotwendige Entwickelung aufzuhalten, um so mehr, als die Hauptrivalen Deutschlands auf wirtschaftlichem Gebiete, England und die Vereinigten Staaten, keinerlei Zweifel darüber aufkommen lassen, dass sie gewillt sind, die verschiedenen Bevölkerungselemente ihrer Reiche in gleicherweise zu vertreten und zu schützen. Von bedeutend grösserer Tragweite für Deutschland als gewerbliche und fabrikatorische Unternehmungen, wo es sich ja *

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