Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 8 (August 1905)
- Article
- Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 228 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Beirut 1× ep/1047833
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— 228 — Bedeutung ihres Reiches entsprechende Stellung in der Türkei errungen". Betrachten wir demnach jetzt die Mittel und "Wege, wirtschaftlichen Einfluss zu erlangen, im besonderen. Der einfachste und primitivste Weg der wirtschaftlichen Ausbreitung ist der Handel, und es ist über allen Zweifel erhaben, dass Deutschland in bezug hierauf in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht hat. In einem im Januar dieses Jahres vom Legationsrat z. D. v. Rath gehaltenen Vortrage über deutsche Interessen im Orient sagte er: „Die Stetigkeit der Entwicklung des deutschen Handels scheint verbürgt zu sein. Sie beruht zunächst auf der bedeutenden Leistungsfähigkeit unserer Industrie, dann auf dem wachsenden Verständnis, das bei den so verschiedenartigen Lebensbedingungen nicht leicht zu erwerben war, endlich auf der Regelmässigkeit der Schiffahrtsverbindung und der Stabilität der Tarife. Der deutsche Handel hat es aber bisher nicht erreicht, sich der grossen Massenartikel zu bemächtigen." Wie weit das in Zukunft gelingen wird, bleibe dahingestellt, vorläufig exportiert Deutschland vor allem kleinere Artikel nach dem türkischen Orient, wie Drogen und Farbstoffe, namentlich natürlich künstlichen Indigo, ferner Glas waren, Nägel, Messer, Nadeln, Papiere, Leder-, Bürstenwaren, Knöpfe, Schirme, Uhren, Geschirre, Tinte, Kerzen, aber auch grössere Artikel, wie Zucker, Alkohol, Weine, Biere, Stahl- und Eisenwaren, Pflüge, Fahrräder, Konfektionsartikel, Hüte, Schuhe, Waffen, dann vor allem Munition und Kanonen für die Armee, ferner Eisenbahnmaterial für die mit deutschem Kapital gebauten Strecken, sowie für die Hedschasbahn. Immerhin ist der Export Deutschlands nach dem türkischen Orient nicht unbedeutend, beträgt er doch für Jaffa—Jerusalem ca. 800 000 M., für Alexandrette ca. 1 Million und für Beirut sogar über 4 Millionen M. jährlich. Man darf sich bezüglich des Einfuhrhandels keinen allzu hohen Erwartungen hingeben; denn erstens wird ganz Türkisch- Asien nur von ca. 16 Millionen Einwohnern bewohnt, ohne dass die Zahl sich merkbar vermehrt, und zweitens befindet sich die weit überwiegende Mehrheit dieser Bevölkerung in einem solchen Zustande der Armut und des Elends, dass sie sich mit den allernotwendigsten Lebensbedürfnissen begnügen müssen. Mit Recht