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Altneuland · 1905-08-01 · Heft 8 (August 1905) · p. Seite 227

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 8 (August 1905)
Article
Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
Date
1905-08-01
Page
Seite 227 (sequence 3)
Language
German
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— 227 — räum von der Grösse Preussens und ganz ausserordentlicher Fruchtbarkeit, nur 1 200 000 Einwohner leben, von denen schon die in geschlossenen Gebieten ansässige deutsche Bevölkerung 200 000—250 000 Seelen beträgt, während in dem benachbarten Staate Santa Catharina gleichfalls gegen 60 000 Deutsche angesiedelt sind, und der Staat Parana sich ebenfalls für deutsche Siedlung eignet. Jedem Deutschen, der sich mit kolonialen Fragen beschäftigt, ist es nachgerade klar geworden, dass in Brasilien, Argentinien und Paraguay dem Deutschtum noch eine grosse Blüte bevorsteht, während die Kolonisation im türkischen Asien auch im günstigsten Falle eine Kümmerpflanze würde bleiben müssen. Auch die Franzosen, Russen und andere Neider Deutschlands sehen das wohl ein; wenn sie sich trotzdem den Anschein geben, als meinten sie, dass Deutschland die Türkei mit Kolonisten überschwemme, so tun sie es, um die türkische Regierung resp. den Sultan zu erschrecken oder wenigstens misstrauisch zu machen, in der Hoffnung, dann um so leichteres Spiel in derjenigen Interessensphäre zu haben, wo tatsächlich der koloniale Wettstreit heftig entbrannt ist, nämlich auf dem Gebietedes wirtschaftlichen Einflusses in der Türkei. Deutsche wirtschaftliche Bestrebungen im türkischen Orient. Wie steht es mit dem wirtschaftlichen Einfkss Deutschlands in der Türkei? Wie wir schon hervorgehoben, wollen viele französische und englische Blätter den Anschein erwecken, als stehe Deutschland im Begriff, das türkische Reich in friedlich wirtschaftlicher Weise zu erobern; das oben zitierte Pester Blatt behauptet ja sogar: „die politische Okkupation reift von selbst heran und werde später in einem günstigen Augenblick von selbst eintreten, als natürliche Folge der gegenwärtigen friedlichen wirtschaftlichen Eroberung ohne Waffen nach dem bekannten englischen Rezept." In Wirklichkeit verhält sich aber die Sache durchaus anders. Wie die „Kreuzzeitung" mit-Recht sagt, „haben die Deutschen mit ihrem Handel und auch durch verschiedene Unternehmungen in der Türkei ansehnliche Fortschritte gemacht, aber früher standen sie weit hinter den Engländern, Franzosen und Oesterreichern zurück. Genau betrachtet, haben die Deutschen nur nachgeholt, was sie früher versäumt hatten, und sich allmählich eine der

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